Salzbergwerk in Wieliczka

Salzbergwerk_WieliczkaSalzbergwerk in Wieliczka

Das historische Salzbergwerk in Wieliczka ist weltweit das einzige Bergwerk, das seit dem Mittelalter bis heute ununterbrochen in Betrieb ist.

Die originellen Fördertechniken (Korridore, Förderschächte, Kammern, Salzseen, Stollen, Schurfschächte) mit einer Gesamtlänge von ca. 300 km auf 9 Sohlen, reichen in eine Tiefe von 327 m und illustrieren sämtliche Enwicklungsetappen der bergmännischen Technik in den einzelnen historischen Epochen."

So lautet ein Auszug der Begründung für den Eintrag des Salzbergwerks Wieliczka am 8. September 1978 in die 1. Liste des Weltkultur- und Naturerbes der UNESCO mit den rangersten 12 Objekten aus der ganzen Welt.

In der Tat, denn die tief ins Mittelalter reichende Geschichte von Wieliczka spiegelt die Entwicklung bergmännischer Techniken, die Gestaltung der Arbeits- und Verwaltungsorganisation und die Entwicklung der Rechtsregelungen für die Industrie wider. Gleichermaßen erteilt sie auch Lektionen in Vaterlands- und Freiheitsliebe.
Die Anfänge von Wieliczka, eines der berühmtesten Bergwerke der Welt, führen in die Zeit des Mittelalters, als es den stolzen Namen: Magnum Sal - Großes Salz - trug.
Das älteste Dokument, das Licht auf die Geschichte des Bergwerks wirft, ist das Privileg von Kasimir I. aus dem Jahre 1044, in dem Wieliczka mit "magnum sal alias Wieliczka" benamt wurde.

Mit dem Namen Wieliczka ist die Bedeutung einer großen Grube zu assoziieren, im Gegensatz zu Bochnia, das die in mittelalterlichen Urkunden auch als kleine Salzgrube bezeichnet wurde. Die ersten Salzzuteilungen, die zum Besten des Klosters in Tyniec gingen, initierte Boleslaw der Tapfere, der Stifter des Klosters. Sie sind im Brevet aus dem Jahre 1105 enthalten, zusammen mit dem bestätigenden Akt des päpstlichen Nuntius, Bischof von Tuskulanski, Kardinal Egidiusz (Idzi).

Salzbergwerk in WieliczkaDieses Brevet ist Transsumpt des Vorrechtes Boleslaw des Tapferen für das Kloster in Tyniec. Aus diesem Brevet geht hervor, dass es schon zur Regierungszeit Boleslaw des Tapferen (995-1025) in Polen perfektionierten Salzabbau gegeben hatte. Das Zentrum war Wieliczka, das den Förderbetrieb in großem Maßstab und sehr differenziert leitete. Hier wurden mehrere Arten von Salzsolen gefördert sowie in Blöcke verschiedener Größe gehauenes Steinsalz.

Seit uralten Zeiten bildete Salz die wirtschaftliche Grundlage des Staates. Im Altertum galt es auf polnischen Gebiet als Zahlungsmittel in Form von "Brechsalz" und ersetzte Metallmünzen.

Ursprünglich wurde das Salz aus Salzquellen nach dem Siedeverfahren gewonnen, das auf dem Abdampfen des Wassers beruhte. Die Anfänge des Steinsalzabbaus sind nicht bekannt. Höchstwahrscheinlich war man bei der Vertiefung eines Salzbrunnens auf Salzlagerstätten gestoßen, deren Abbau mit Hilfe von primitiven Werkzeug vorgenommen wurde.

Die Herrscher im damaligen Polen erkannten sehr schnell den Wert des weißen Goldes. Deswegen wurde der Abbau von Salz sowie sein Vertrieb monopolisiert.
Man war sich bewusst, dass Salz eine zuhöchst gefragte Ware und für den Menschen zum Leben unentbehrlichen Rohstoff darstellte.

Enorme Mengen davon wurden für die Konservierung von Fleisch, Fisch und Butter, zum Gerben von Tierhäuten und bei der Herstellung von Schießpulver verbraucht.
Im Anfangsstadium, da das Bergwerk, genannt die Krakauer Salzsiederei den Betrieb aufnahm, musste der König notgedrungen die Dienstleistungen von privaten Geschäftsleuten in Anspruch nehmen. Der Grund dafür waren der immense Kostenaufwand für die Grubeninvestitionen und die Notwendigkeit, Fachleute für die Arbeit im Bergwerk anzuwerben.

Der Geschäftsmann trug volles Risiko bei der Salzsuche und finanzierte die Stollenvertiefung, doch wo er auf eine Salzlagerstätte stieß, ging der Stollen in den Besitz der königlichen Verwaltung über. Der Monarch golt die durch den Geschäftsmann getragen Auslagen in Raten ab, garantierte ihm Erbzins, das Recht auf einmaligen Abbau einer festgelegten Salzmenge und dazu das Amt des Bachmeisters (Chefingenieur) in der Bergbauverwaltung.

Salzbergwerk_Wieliczka2Das Salz war demnach nicht nur ein Gewinn abwerfendes Grundnahrungsmittel bzw. Rohstoffpräparat, sondern wurde zu einem Machtinstrument. Bereits im 14. Jh. sicherten die Salzgruben über 30% der Gesamteinkünfte der Staatskasse. Die Monarchen bezahlten davon feste Gehälter an ihre Gemahlinnen, an Angehörige der königlichen Familie und an verschiedene Staatsämter bekleidende Würdenträger.

Die Salzbergwerke unterhielten den Königshof, finanzierten die Instandhaltung der Burgen, die die Handelswege überwachten und Personen mit, die sich in besonderer Weise um den Staat verdient gemacht hatten.
Dem Salz aus Wieliczka hatte auch die Akademie zu Krakau (die spätere Jagiellonen-Universität) sehr viel zu verdanken. Ihr erster Stifter, Kasimir der Große, finanzierte die gesamte neue Hochschule aus den Einnahmen der Salzgrube.

Auch die nachfolgenden Herrscher und polnischen Magnaten zeigten sich nicht gerade kleinlich in Schenkungen und Überschreibungen. Kasimir der Große präzisierte im Jahre 1368 die Grundlagen für den Betrieb des Salzbergwerkes kraft eines Gesetzes, bekannt als das Kasimir-Statut.

In dem Dokument werden Rechte und Pflichten der einzelnen Beamten und verschiedenen Gruppen von Mitarbeitern, Prinzipien für die Buchführung, d. h. der Abrechnung der Förderung mit der Staatskasse, Löhne und Salzabsatzpreise festgelegt.

Salzbergwerk_Wieliczka3Als wichtigstes Instrument der königlichen Aufsicht über die Salzgrube fungierten speziell einberufene Kommissionen, die den Zustand der unterirdischen Abbauräume, der Grubengebäude sowie die ordnungsgemäße Abrechnung mit der Staatskasse überprüften und Anordnungen und Hinweise in Form von verbindlichen Vorschriften erließen.
Im 16. Jh. wuchs Wieliczka zu einem der größten Betriebe des damaligen Europas. Neben der unmittelbar in die Produktion eingebundenen Mannschaft und den Verwaltungsmitarbeitern wurden hier Zimmermänner, Fassbinder, Schmiede, Fuhrmänner und Stallknechte zur Arbeit herangezogen. Die Salzgruben betrieben eine eigene Küche (das Vorbild zur Betriebskantine), besaßen einen betriebsinternen Medikus und sogar ein spezifisches System für "Sozialschutz" und "Altersfürsorge".

An der Wende des 14. und 15. Jh. wurden die Förderarbeiten und der Transport unter Tage mit Hand ausgeführt. Aus den Schächten wurde das Salz mit Seilen unter zu Hilfe nahme von sog. Haspeln, d. h. von Menschenkraft bewegten Seilwalzen, emporgehieft. Um 1400 wurden die Haspeln durch Treträder ersetzt, Räder mit Trittbrettern, die sich auf die Seilwelle gesteckt - unter dem Gewicht der darauf tretenden Menschen drehten. Die weitere Entwicklungsstufe der Förderanlagen zeitigte das Tretwerk für Pferde, das Mitte des 15. Jh. in Bergwerk zum Einsatz kam. Der Nutzung von technischem Fortschritt und Mechanisierung ging die Steigerung der Förderung sic. die Gewinnausschüttung der Wieliczkaer Salzgruben einher.
In der zweiten Hälfte des 15. Jh. konnte Dank der Erträge aus den Gruben die Wawelburg renoviert und ausgebaut werden. Zu dieser Zeit begann man auch die Gruben zu vertiefen und nach reichhaltigeren Salzlagerstätten zu suchen, wozu neue Fördertechniken zum Einsatz kamen. Die königliche Wirtschaft in der Krakauer Salzsiederei ging mit der ersten Teilung Polens im Jahre 1772 zu Ende.

Salzbergwerk in WieliczkaDie Zeitperiode unter österreichischer Herrschaft prägte die Geschichte des Bergwerkes nicht nur durch Veränderungen im organisatorischen Verwaltungsbereich, sondern auch durch Einführung neuer Fördertechniken aufgrund des Zustromes von Fachbleuten: Bergleute.
Die langdauernde österreichische Herrschaft wirkte sich auf den technischen Zustand des Bergwerkes vorteilhaft aus, brachte eine gewisse Stabilisierung mit sich. In jener Zeit beginnt auch der Ausbau der Stadt, nahe dem Bergwerk wird ein Kraftwerk errichtet und Wieliczka wird mit Krakau durch die Eisenbahn verbunden. Ebenso wurden auch die Exploitationsverfahren unter Tage mechanisiert. Handbohrer wurden von Pressluftbohrern abgelöst, unter Tage kamen Salzmühlen und Dampfmaschinen für den Förderaufzug zum Einsatz. Desgleichen wurden Reparaturwerkstätten und eine Tischlerei eingerichtet.
Im Jahre 1912 wurde an der Tagesoberfläche eine mechanisierte Salzsiederei ihren Betrieb genomen, die 2003 von dem Modernen Recycling-Unternehmen für Salzwasser ersetzt wurde.
Die Zwischenkriegszeit bedeutete für das Bergwerk wieder Jahre der Stabilisierung sowie die Einführung von Weiterentwicklung und Ausbau des Bergwerkes als Produktionsunternehmen, gleichzeitig aber auch den Ausbau seiner Bedeutung für Touristik und Medizin.

Besondere Beachtung verdient die Heilwirkung von Salz, die bereits von Humanisten im 16. Jh. erkannt worden war. Jene stellten die Behauptung auf, dass das Salz, gemischt mit anderen Substanzen, ein wirksames Heilmittel gegen Schlangenbisse, Hautausschläge, Geschwüre, Angina, Podagra und viele andere Krankheiten sei.

Salzbergwerk_Wieliczka0Die Entwicklung der Balneologie im 19. Jh. ist ebenfalls mit Wieliczka verbunden, wo bereits 1826 Heilverfahren mittels Salzbädern ihren Anfang nahmen. Dank dem Bergwerksarzt Feliks Boczkowski entstand 1839 auch ein Heilbad, in dem 36 Krankheiten, vom Katarrh bis Impotenz, von Hysterieanfällen bis hin zur "Erschöpfung in Folge übermäßigen Liebestreibens kuriert wurden. Es muss offenbar recht viele Erschöpfte gegeben haben, denn im Verlauf von 20 Jahren ließen sich über 3.000 Personen im Kurort ausheilen. Die Anwendung von Heilverfahren mittels Salzbädern ging nach dem Tod von Dr. Boczkowski 1855 stark zurück.

Die Renaissance des Heilverfahrens erfolgte 1958 dank der Initiative von Prof. Mieczyslaw Skulimowski - in Anlehnung an das in den unterirdischen Abbauräumen vorherrschende spezifische Mikroklima, das die Heilung von Bronchialasthma, Bronchitis und Allergie-Schnupfen begünstigt. Das von Skulimowski gegründet unterirdische Sanatorium ist bis auf den heutigen Tag in Betrieb.
Die 40er und 50er Jahre zeichneten sich durch die Steigerung der Produktion aus.

Die Förderung aus den zentralen Teilen des Bergwerks, unweit der historischen Kammern, hatten Erschütterungen im Gleichgewicht der Gebirgsschichten und damit erhebliche Beeinträchtigungen der Touristenroute zur Folge.
Erst Ende der 50er Jahre wurden wegen des katastrophalen Zustandes etlicher Kammern auf der Touristenroute die ersten Sicherungsarbeiten vorgenommen, die anfangs aus Mitteln des Kultusministeriums finanziert wurden. Später wurde kraft eines Ministerratsbeschlusses der Schutzfond Historisches Bergwerk Wieliczka gegründet.

ANFÄNGE UND ENTFALTUNG DER TOURISTIK
Das Salzbergwerk Wieliczka zog stets großes Interesse auf sich.
Bereits im 14. Jh. wurde es als Werk für Salzförderungsbetrieb privilegierten Personen, die am Königshof gastierten, vorgeführt, später als weitverzweigtes, unterirdisches Labyrinth von Korridoren und Kammern, beseelt mit geheimnisvollem Zauber, bewundert.

Wie historische Überlieferungen bezeugen begannen Ende des 15. Jh. die ersten Touristenexkursionen ins Bergwerk. Es handelte sich dabei um kleine, ausschließlich aus der Elite der damaligen Welt rekrutierte Gruppen mit eindeutig kognitivem Besuchsziel. War es doch ein ungewöhnliches, phantastisches Objekt, von außen kaum sichtbar, dessen ganze Schönheit sich tief unter der Erde verbarg.
Die Lage in der Nähe von Krakau bildete ein zusätzlicher Atout, der zum Besuch des Bergwerkes anregte. Zu jener Zeit waren unter den Besuchergästen hervorragende Humanisten und Gelehrte, wie Nikolaus Kopernikus, Konrad Celtes, Joachim Rhetyka und der schlesische Dichter Adam Schroeter und viele andere.
Das 16. Jh., die Zeit des polnischen Humanismus, wirkte sich positiv auf die Entfaltung des Tourismus in Wieliczka aus. Die Besichtigung des Bergwerks, zumeist unter Kultur- und Bildungsaspekten, lief ohne irgendwelche organisatorische Formen ab. Je nach gesellschaftlichem Rang der Besucher werden ihnen verschiedene Abbauräume und Arbeitsorte vorgeführt. In dieser Zeit stieg man in das Bergwerg über eine Holztreppe im 1442 gebauten Seraf-Schacht hinab. Unter den Besuchern des Bergwerks sind Namen zu lesen wie: Nuntius Fulvius Ruggieri (1565), Hieronimus Lippomano, Botschafter des Venezianischen Freistaates (1575), sowie zahlreiche Persönlichkeiten aus ganz Europa.
Der Tourismus war aber immer noch elitär.

Die Kammern konnten einzig und allein Vertreter der höheren Schichten und dies jeweils nur mit Sondergenehmigung des Königs besichtigen. Die Genehmigungen wurden sporadisch erteilt, da die Gruben-Obrigkeit eine Abneigung gegen die potentiellen Besucher hegte, welche ungebetenen Gästen gleich den Produktionsablauf störten.

Eine Beschreibung von Wieliczka aus jener Zeit hinterließ Jean Choisnin in seinen Memoiren, der 1572 den Emissär des französischen Königs nach Polen begleitete.
Unter anderem schreibt er, das Bergwerk sei "eine unterirdischer Stätte, zu der man über eine halbe Stunde lang mit mächtigen, festen Seilen, die ein Gewicht von 50 mit einem Male einfahrende Personen zu tragen vermögen, hinabgleitet. Unten erblickt man riesige Kammern, die in das Salzgestein nach einem Muster gleichwie Straßen einer Stadt gehauen sind."

Die Bedingungen für die Besichtigung des Bergwerkes wurden durch den 1744 erbauten und mit einer Treppe ausgestattenen Leszno-Schacht bedeutend erleichtert.
Erhaltene Gedenkbücher weisen darauf hin, dass in den letzten Dekaden des 18. Jh. jeden Monat Dutzende von Personen das Salzbergwerk besuchten und in den ersten Jahren des 19. Jh. die Zahlen bereits auf über 100 Personen pro Woche angestiegen waren. Die Übernahme des Bergwerkes durch die Österreicher war der nächste Schritt für den Ausbau des Tourismus. Sie wussten nämlich die Schönheit und kognitiven Werte des Bergwerkes zu schätzen und warben dafür als eines der großartigsten Touristenattraktionen in der österreichischen Monarchie.
In jener Zeit wurden für Gäste etliche historische Kammern auf Sohle I geöffnet und somit das Anfangsstück der heutigen Touristenroute geschaffen. Stufenweise wurden ihr weitere Kammern auf den Sohlen II und III einverleibt und sie damit um vielerlei Attraktionen bereichert, die den Zauber der unterirdischen Säle betonten und die Besichtigung höchst angenehm machten.

Die Route war fantastisch ausgeleuchtet: in der Kammer "Michalowice" hing ein mächtiger Kronleuchter (5,5 m hoch und mit ca.3 m Durchmesser) aus Salzkristallen, mit 300 brennenden Kerzen. Um ihn hochzuhängen, wurde ein alter Göpel eingesetzt, der in der darüber befindlichen Kammer "Urszula" placiert war. Die Besucher wurden von Bergleuten mit Fackeln begleitet, die zudem Feuerwerke in Szene setzten und die ansehnlicheren Teile der Kammern illuminierten. Zu den Attraktionen gehörten "die Brücke über dem Abgrund", eine Floßfahrt über den Salzsee, die Darbietung der sog. "Höllenfahrt" von Bergleuten, die an einem Seil nach unten rauschten sowie das donnernde Echo eines Pistoleschusses.

In den Kammern und korridoren befanden sich in Salz gehauene Säulen, Denkmäler, Tafeln, Zierportale, die den Angehörigen der Kaiserfamilie und den hohen österreichischen Beamten gewidmet waren.
In einer der Kammern (Letow), die als Festsaal ausgebaut war, konnte man das Tanzbein zu den Klängen des Bergorchester schwingen oder die "Krakauer Hochzeit" mitverfolgen.
In der zweiten Hälfte des 19. Jh. gab es eine zusätzliche Attraktion die 2,5 km lange Fahrt in geschmückten Pferdewägelchen.
Im Besucherbuch aus der Zeit um 1800 können wir Namen finden wie: Zar Alexander I., Kaiser Franz I., Johann Wolfgang von Goethe, Frédéric Chopin, Jan Matejko, Dimitrij Mendelejew, Boleslaw Prus, Henryk Sienkiewicz und viele weitere prominente Persönlichkeiten aus Kultur und Politik.

Die Werbeaktivitäten der Österreicher zeitigten Erfolg und das alte Bergwerk wurde europaweit berühmt und dies in einer Weise, dass in einem englischen Handbuch für Geografie gegen Ende des 19. Jh. nach der breitangelegten Beschreibung von Wieliczka die kurze Erwähnung angeführt ist, dass sich in unmittelbarer Nähe des Salzbergwerkes Krakau befindet, die ehemalige Krönungsstadt der polnischen Könige.
Anfang des 20. Jh. kam eine weitere Touristenattraktion hinzu die Kapelle der hl. Kinga (Kunigunde), deren Wänden brillante Reliefs mit biblischen Darstellungen aufweisen, handgearbeitet von Bergmänner-Bildhauern.
Die Kapelle erleuchten Girandolen aus Kristallsalz. Ihre Dimensonen sind ebenso imposant wie die Schönheit ihrer Aufmachung. Die Höhe der Kapelle beträgt 10 m, die Länge 54 m und die Breite 15 m.

Das 20. Jh. setzt den Startschuss, Werbung für das Salzbergwerk auch in Zeitschriften und Kalendern zu inserieren. Ein erhaltener "Krakauer Kalender" aus dem Jahre 1901 beinhaltet eine Werbung für das Salzbergwerk Wieliczka, die von einem gut organisierten Touristenverkehr zeugt. Es sind dort die Konditionen für Besichtigungen aufgeführt (bei einer Tour können bis zu 100 Personen das Bergwerk besichtigen), die Preise, deren Höhe u.a. nach der Beleuchtungsqualität der Abbauräume (die sog. 4 Beleuchtungsklassen) gestaffelt waren, sowie Besichtigungstage und -stunden und dazu das Angebot, den Besuchern Gruppenfotos zu schießen.
In den Jahren der Zwischenkriegszeit besuchten das Bergwerk zahlreiche Ausflugsgruppen, die gesellschaftlichen und politischen Organisationen zugehörten, Schulklassen und Einzelgäste. Die Besucher wurden auf dem Bahnhof vom Bergorchester empfangen.

Die Besatzungszeit unter den Nazis bedeutete für Wieliczka den nahezu vollständigen Abbruch des Tourismus. Das Bergwerk wurde ausschließlich von führenden Persönlichkeiten der deutschen Wehrmacht und einer kleinen Zahl von Zivilpersonen besucht.
Die Besichtigungstraditionen jedoch haben die Grauen des Krieges überdauert. Bereits im Jahre 1945 besuchten das Salzbergwerk wieder über 10.000 Personen.
In den darauffolgenden Jahren stieg die Zahl weiter und lag im Jahre 1955 bei ca. 200.000 Touristen.
Für derart anwachsende Besucherzahlen war das Objekt nicht vorbereitet. Die Anlagen des Danilowicz-Schachtes waren veraltet, die Abbauräume und Korridore mussten unbedingt instand gesetzt werden.
Die unterirdische Touristenroute, das unschätzbare Erbe der materiellen Kultur, erlebte in den 50er Jahren eine große Krise. Der Mangel an eigenen Geldmitteln für die Modernisierung und Sanierung machte es unumgänglich, sich an die Regierung zu wenden.
Beeinflusst von alarmierenden Mahnschreiben seitens der Bergwerksleitung wie aus Kreisen von Wissenschaft und Kultur wurde dem Bergwerk in den Jahren 1959-1964 finanzielle Unterstützung von Regierungsinstitutionen zugesprochen.

Dies ermöglichte laufende Reparaturen, die Ausstattung der Route mit einer elektrischen Anlage und einem eigenen Belüftungssystem für die historischen Abbauräume.
Zu dieser Zeit wurden auch 16 historische Kammern abgesichert. Im Rahmen der Abstützarbeiten erfolgte die Erweiterung der Infrastruktur für die Touristik, in den 70er Jahren wurden zusätzliche Kassen, eine Verkaufsstelle für Souvenirs in der Kammer "Wisla" eingerichtet und gleichzeitig die Handhabung des Touristenverkehrs leistungsfähiger gestaltet.

In den Folgejahren wuchs die Anzahl der Besucher ständig. Mitte der 70er Jahre wurde das Salzbergwerk von 750.000 Gästen besucht.
Durch die Verhängung des Kriegsrechtes im Jahre 1981 brach der Tourismus für viele Jahre zusammen. Sein Wiederaufbau in den Jahren 1984 - 1986 mit Besucherquoten von ca. 600.000 jährlich unterlag in den Jahren 1988 - 1989 in Folge der Sanierung des Danilowicz-Schachtes einer erneuten Erschütterung.

Grundlegend änderte sich die Situation für den Tourismus nach dem folgenschweren Wasseraustritt im Bergwerk im Jahre 1992.
Durch diese Katastrophe war man sich im Klaren darüber, dass die Instandsetzungsarbeiten im Bergwerk wesentlich beschleunigt und intensiviert werden mussten, unter gänzlicher Einstellung der Salzförderung. Lediglich die Aufbereitung des salzhaltigen Wassers, das in die Kammern eindrang, war davon ausgenommen.
Für die Entwicklung und die Zukunft des Unternehmens galt es nun, verstärkt auf die Touristik und die damit verbundenen breitgefächerten Dienstleistungsaktivitäten zu setzen.


Heute wird die Touristenroute des Salzbergwerkes Wieliczka jährlich von über 1.000.000 Menschen besucht.

Quelle: wieliczka.pl

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