Masowien
Masowien
Mazowsze (Masowien) ist ein historisch-ethnographisches Gebiet in Mittelpolen. Es liegt beiderseits der Wisla /Weichsel/ in der Nizina Mazowiecka /Tiefebene Masowiens/, einer der größten geographischen Landschaften Polens. Nizina Podlaska /die Tiefebene von Podlachien/, die in der Gabelung der Flüsse Narew und Biebrza und im mittleren Lauf des Flusses Bug liegt, stellt deren natürliche Verlängerung dar. Man spricht sogar manchmal insgesamt vom "Tiefland von Mazowsze und Podlasie", da beide Landschaften schwer abzugrenzen sind. Mazowsze ist eines der ältesten Landesteile Polens.
Seit der Regierungszeit des ersten polnischen Herrschers, Mieszko I. waren diese Gebiete Bestandteil der Monarchie der Piasten, im 12. Jh. entstand das politisch unabhängige Fürstentum von Mazowsze (aus dieser Zeit stammen die unzähligen, gewaltigen Burgen und Kirchen). Im 16. Jh. wurden sowohl Mazowsze als auch Podlasie dem polnischen Staat angeschlossen und gingen unter die Herrschaft von Zygmunt Stary über.
In dieser Zeit erlebten die an den Handelstrassen situierten Städte - Warszawa /Warschau/, Pultusk, Plock und Lomza ihre größte Blüte. Die zentrale Lage der immer reicheren Stadt Warschau war von großer Bedeutung für die Entwicklung der Stadt als eines politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zentrums. 1596 verlegte Zygmunt III Waza /Sigismund Wasa d. III) den Sitz des königlichen Hofes von Krakow /Krakau/ nach Warschau.
Die neue Hauptstadt ist im 17. Jh. von Kriegen und Epidemien geplagt worden - die Stadt wurde zerstört, das Vermögen geraubt, und von den 20 Tsd. Einwohnern überlebte nur ein Zehntel. Im 18. Jh. haben die Könige August II. d. Starke und Stanislaw August Poniatowski Warschau erneut erblühen lassen - ihre schöne Bebauung hat die Stadt vor allem ihnen zu verdanken. Poniatowski, ein Mäzen der Kunst und der Künstler, ließ zahlreiche talentierte Architekten in die Hauptstadt kommen.
Sie entwarfen neue Gebäude und bauten die bereits vorhandenen um. Gleich danach kam es jedoch zu der Teilung Polens. Sowohl Mazowsze als auch Podlasie sind zwischen Österreich und Preußen aufgeteilt worden. 1807 wurden sie zum Bestand des Warschauer Fürstentums und 1815 sind sie dem Königreich Polen angeschlossen worden. 1918, nach 123 wurde Warschau erneut zur Hauptstadt eines unabhängigen, souveränen Staates und zu einem wissenschaftlichen und kulturellen Zentrum mit Weltniveau. Während des 2. Weltkriegs haben die Deutschen die Stadt fast dem Boden gleich gemacht. Nach dem Krieg wurde sie zwar wieder aufgebaut, verlor jedoch für immer ihr altes Antlitz und wurde zu einer durch und durch modernen Stadt, in der mühsam nach den Spuren der Geschichte gesucht werden muss.
Warschau ist mit den vielen Attraktionen: historischen Sehenswürdigkeiten, Museen, Theatern, Galerien und Handelseinrichtungen der stärkste Anziehungspunkt, der die Touristen nach Mazowsze lockt. Die zweite Ortschaft internationalen Ranges ist Zelazowa Wola. Es lohnt sich jedoch ebenfalls Lodz zu besuchen, sei es auch nur um durch die Piotrkowksa-Strasse, den längsten Handelstrakt Europas zu schlendern, wo sich die meisten Pubs, Nachtlokale und Restaurants Polens befinden.
Vor allem wartet jedoch auf den Touristen in Mazowsze und Podlasie die herrliche, europaweit unikale Natur.
Warschau
Vor dem Krieg wurde Warszawa /Warschau/ als Paris des Nordens bezeichnet, nach dem Krieg galt es als eine hässliche Stadt, die ununterbrochen mit ihrer Jahrhunderte alten Konkurrentin - Krakau verglichen wurde. Der Vergleich fiel selbstverständlich immer zugunsten Krakaus aus.
Warschau ist auf jeden Fall eine andere Stadt, die nicht so geordnet ist und die sich nicht Jahrhunderte lang so logisch entwickelt hat, wie Krakau. Während des 2. Krieges dem Boden gleichgemacht, ist die Stadt ziemlich chaotisch wiederaufgebaut worden. Beim Errichten von "Expressbauten blieb so viel Leerraum und unvollendet bebaute Plätze, dass die Stadt nicht besonders gemütlich wirkte.
Sie erinnert bis heute noch an ein riesiges Patchwork, in dem farbige, interessant gemusterte Stofffetzen mit grobem, grauen Stoff miteinander komponiert worden sind. Dieser schöne Stoff sind die sorgfältig restaurierten Paläste, Kirchen, Denkmäler, einzelne Häuser, ab und zu eine ganze Strasse mit kompakter, harmonischer Bebauung, die in den hässlichen Hintergrund von en masse entstandenen Hochhaussilos und Basare reingezwängt wurden. Es fällt eigentlich auch schwer, zu sagen, wo sich eigentlich das Zentrum der Stadt befindet - es existiert weder auf dem Stadtplan, noch in der Wirklichkeit. Als Zentrum gilt zwar die Gegend des Kulturpalastes, obwohl für viele Menschen die Strasse Nowy Swiat bzw. die Altstadt das Herz der Stadt verkörpert.
Die von 1,8 Mio. Menschen bewohnte, größte Stadt Polens entwickelt sich sehr schnell. Auch das Leben ist hier entschieden hastiger als in den anderen Landesteilen. Die Autostaus paralysieren sowohl das Stadtzentrum als auch die Ausfahrtstrassen, moderne Bürohäuser aus Stahl und Glas und große Handelszentren schießen wie Pilze aus dem Boden. In Warschau gibt es jedoch auch zahlreiche wunderschöne Parkanlagen und romantische Winkel. Man muss nur wissen, wo nach ihnen zu suchen ist
Die Warschauer Stare Miasto /Altstadt/ entstand um die Wende des 13. und 14. Jh., sie wurde jedoch während des Warschauer Aufstands zu 90% zerstört. Die durch eine rote Mauer eingeschlossenen farbenfrohen Häuser, die schlanken Kirchtürme und das massive Gebäude des Königsschlosses - all das, was heute in der Altstadt zu besichtigen ist - ist das Ergebnis des Wiederaufbaus in den Nachkriegsjahren. 1980 ist die Warschauer Altstadt als Beispiel detailgetreuer Rekonstruktion mit Beibehaltung der vorhandenen Fragmente der ursprünglichen Bebauung auf die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO gesetzt worden.
Zu den originalen Bauten gehört die Sigismundsäule auf dem Schlossplatz - eines der ältesten weltlichen Denkmäler in Polen (von 1644). König Sigismund Wasa der III. hat die Hauptstadt Polens 1567 aus Krakau nach Warschau verlegt. Das Denkmal hat die Kriegsgeschehnisse überstanden, es fehlte nur der Arm und der Säbel. Das Königsschloss jedoch, dessen Geschichte ins 13. Jh. zurückgreift und das seit dem 16. Jh. Sitz der polnischen Könige war, wurde gegen Ende des Krieges von den Deutschen in die Luft gesprengt.
Der Wiederaufbau des Schlosses fand dank der Großzügigkeit des polnischen Volkes 1971-84 statt, es bekam seine ursprüngliche äußere Gestalt und die prunkvolle Innenausstattung, die es im 17. Jh. hatte, zurück. Und obwohl das Schloss keinesfalls durch seine Schönheit überwältigt und die Allgemeinheit behauptet, dass es mit der königlichen Residenz auf dem Wawel nicht verglichen werden kann, gehört es sicherlich zu den touristischen Attraktionen der Hauptstadt.
Ein Spaziergang durch die bekannten Warschauer Strassen: Krakowskie Przedmiescie (die schönste), Nowy Swiat (die eleganteste) und Aleje Ujazdowskie (verkehrsreich und trotzdem voller ehemaligen Charmes) führt zu einem wunderschönen Ort - zum Lazienki-Park. Die als die schönste Parkanlage Polens (und sogar Europas) geltende Architektur- und Parkanlage aus dem 18. Jh. verdankt ihre Entstehung dem König Stanislaw August Poniatowski.
1766 erwarb er das Ujazdowski-Schloss mit einem Tiergehege, in dem sich auf einer Insel inmitten eines Teiches eine Badeanstalt befand. In den nachfolgenden 30 Jahren haben die besten Architekten, mit Dominik Merlini an der Spitze im ehemaligen Tiergehege neue Bauten errichtet - Palais und Pavillons. Gleichzeitig entstand auch ein Landschaftspark. Angelegt wurden malerische kleine Seen, blühende Wiesen, zwischen den Baum- und Sträucherensembles winden sich unzählige Parkwege
Im zentralen Teil der Parkanlage, zwischen den Alleen mit den sorglos vorbeihuschenden Eichhörnchen, befindet sich ein großer Teich. Auf einer kleinen Insel steht eines der schönsten Schlösser Warschaus. Diese bezaubernde Residenz wird ihrer Lage wegen "Wasserpalais" genannt. Die große Terrasse dekorieren zahlreiche Skulpturen, ein Springbrunnen und eine Sonnenuhr. Zwischen den Blumen spazieren Pfaue und die ins Wasser hinunter führenden Stufen ermöglichen bequemes Füttern der Enten und der Schwäne.
Im Lazienki-Park befindet sich noch ein weiteres berühmtes Gebäude - das Belvedere, der Sitz des Präsidenten der Republik Polen. Besuchenswert ist ebenfalls der kleine, musterhaft angelegte botanische Garten mit seinen 7 Tsd. Pflanzenarten und einer der magischsten Winkel von Lazienki mit dem großen Denkmal von Chopin, das sicherlich allen aus den Aufnahmen bekannt ist, die während des Chopin-Wettbewerbs im Fernsehen gezeigt werden. Errichtet wurde es 1926, die Deutschen scheuten jedoch nicht davor, die wunderschöne Skulptur während des 2. Weltkrieges in einer Schmelzhütte zu zerstören. So ist heute lediglich eine Kopie des ehemaligen Werkes zu besichtigen. Sie steht am Ufer des malerisch angelegten Teiches, inmitten eines vor dem 1. Weltkrieg entworfenen und angelegten Rosengartens. In dieser ungewöhnlichen Szenerie finden jährlich im Frühling, Sommer und Herbst Konzerte klassischer Musik statt.
Zelazowa Wola - das Geburtshaus von F. Chopin
Ein kleines Dörfchen an der Utrata gehört zu den von den Touristen am häufigsten besuchten Orten in Mazowsze. In Zelazowa Wola wurde am 1. März (bzw., wie andere behaupten, am 22. Februar 1810) Frédéric Chopin geboren. Der Hof gehörte damals der Familie Skarbek. Der Vater Frédérics, Mikolaj Chopin, unterrichtete die Kinder der Eigentümer und seine Gemahlin, Justyna Krzyzanowska, war mit den Skarbeks verwandt. Die Familie Chopin siedelte nach Warschau über als der zukünftige Komponist gerade ein halbes Jahr alt war. Später besuchte er jedoch Zelazowa Wola häufig in den Ferien und zu Familienfeiern. Seinen Geburtsort besuchte er zum letzten Mal im Jahre 1830, kurz bevor er ins Ausland ging.
Vom Schlösschen der Skarbeks ist nur das linke Hinterhaus bis heute erhalten geblieben, gerade das, in dem Frédéric Chopin zur Welt gekommen ist. 1928 begann man mit dem Umbau des von der eigens dafür berufenen Gesellschaft erworbenen, zerstörten Gebäudes und verlieh ihm den Charakter eines typisch polnischen Schlösschens. Es ist ein kleines, vom wilden Wein umranktes, mit Schindeln bedecktes Haus mit zwei Säulen am Eingang. Das sehr häufig auf Fotos verewigte Schlösschen in Zelazowa Wola gehört zweifelsohne zu den eindrucksvollsten polnischen Symbolen. In sechs Zimmern befinden sich Möbel und andere für die damalige Epoche typische Gegenstände.
Es sind keine Originalgegenstände aus dem Hause Chopin erhalten geblieben, auch die Tatsache, dass einzelne Zimmer den jeweiligen Mitgliedern der Familie zugeordnet worden sind, ist eher symbolisch. Zu sehen sind Porträts der Chopins, Kopien der Heiratsurkunden der Eltern sowie der Geburts- und Taufurkunde des Komponisten. Selbstverständlich steht dort auch ein Klavier, das bei den hier jeden Sonntag stattfindenden Konzerten benutzt wird. Das Schlösschen steht in einem der schönsten, 1931-1937 angelegten Parkensembles Polens mit fast 500 Baum- und Sträucherarten.
Der Urwald von Kampinos: Dünen und Elche
An der nordwestlichen Stadtgrenze Warschau beginnt der herrliche Urwald von Kampinos. Die unmittelbare Nachbarschaft eines unter Naturschutz stehenden Gebietes von dieser Größenordnung und Rang mit einer Großstadt ist weltweit eine Seltenheit. Der überwiegend aus dem Westen wehende Wind treibt die saubere Luft aus dem Urwald in die Warschauer Region, was sich sehr günstig auf die Qualität der Luft der Hauptstadt auswirkt.
Fachleute sind der Meinung, dass sich die Stadt dank dessen bis heute außerhalb ökologischer Gefahr befindet. 1959 wurde innerhalb des Urwaldes Kampinoski Park Narodowy /Der Nationalpark von Kampinos/, der zweitgrößte Nationalpark Polens gegründet (38,5 Tsd. ha).
Im Urwald von Kampinos wird die europaweit einzigartige Ansammlung von Binnenlanddünen - natürliche Pflanzengesellschaften mit über 60 unter Naturschutz stehenden Pflanzenarten und reicher Tierwelt geschützt. Der Sandboden ist mit Kiefernwald und mit Wacholder bewachsen. Die ältesten Bäume sind 200 Jahre alt.
In den Mulden zwischen den Dünen herrschen Laubbäume vor: Eichen, Birken, Espen und Hainbuchen. Vom Süden und Norden sind die Dünen von feuchten und sumpfigen Gebieten umgeben, auf denen vordergründig Erlen, Birken und Eschen wachsen. Eine botanische Seltenheit ist die schwarze Birke. Im Unterholz blühen im Frühling weiße Anemonen, in den Sumpfgebieten Dotterblumen und Schwertlinien.
Früher lebten im Urwald mächtige Auerochsen, Bären und Wisente. Die Anfang des 19. Jh. ausgestorben Elche brachte man nach dem 2. Weltkrieg aus der Sowjetunion in den Park, in dem sie sich inzwischen wie zu Hause fühlen. Gegenwärtig gibt es hier etwa 150 Elche. Den Urwald bewohnen außerdem Wildschweine, Rehe, Füchse, Dachse, Hermeline, Hasen, Wiesel, Marder und Iltisse.
1980 sind im Urwald erneut Biber angesiedelt worden, gegenwärtig leben in mehreren Biberbauten etwa 100 Exemplare. 1992 sind in das Ökosystem Luchse eingeführt worden, z.Z. gibt es hier etwa 15 davon. In den Sumpfgebieten nisten verschiedene Vögel - Kraniche, Reiher, Graureiher und Störche. Besonders wertvolle Exemplare der Tier- und Pflanzenwelt werden in 23 Sonderreservaten geschützt.
Landschaftsparks und Reservate sind auch in den anderen Urwäldern von Mazowsze verstreut - Kamieniecki, Kurpiowski, Bialy und Bolimowski, in dessen Nähe (im nicht mehr existierenden Urwald Jaktorowski) 1627 der letzte Auerochse in Polen getötet worden ist.









