Allenstein / Olsztyn
Olsztyn / Allenstein
ist die Hauptstadt der im Nordosten Polens gelegenen Woiwodschaft Ermland-Masuren und Sitz des Erzbistums Ermland. Mit rund 175.000 Einwohnern und ca. 400.000 in der Agglomeration ist Olsztyn auch die größte Stadt der Woiwodschaft.
Geographische Lage
Olsztyn liegt im Zentrum der Woiwodschaft Ermland-Masuren am Fluss Alle (polnisch Łyna nach prußisch "linis": zool. Schlei), 125 Meter über dem Meeresspiegel am Übergang vom Ermland zum Oberland. Die umgebende hügelige Landschaft ist von der Allensteiner Seenplatte und ausgedehnten Wäldern geprägt. In der Stadt kreuzen sich die Fernstraßen 16, 51 und 53 sowie die Bahnlinien Toruń - Sowetsk (Thorn - Tilsit) und Danzig - Ełk (Danzig - Lyck).
Die Stadt liegt rund 100 Kilometer südlich von Kaliningrad (Königsberg), 120 Kilometer östlich von Danzig und etwa 170 Kilometer nördlich der Landeshauptstadt Warschau.
Geschichte
Ehemaliges Wappen von Allenstein bis 1945Allenstein wurde am Fluss Alne/Alle (prussisch alna: fließen) im preußischen Ermland am 31. Oktober 1353 von Johannes von Leysen im Schutz einer bereits im Aufbau (erste Bauetappe 1346 bis 1353) befindlichen Burg des Domkapitels von Ermland gegründet (Verleihung der Stadtrechte 1353).
Die Allensteiner Burg war Sitz eines Verwalters des ermländischen Domkapitels und Hauptort eines der drei Kammerämter, die dem Kapitel unterstanden und zusammen mit den bischöflichen Kammerämtern das Hochstift Ermland bildeten, das als weltliches Herrschaftsgebiet dem Bischof und dem Kapitel bei der Gründung der vier preußischen Bistümer 1245 zugestanden wurde.
In den Jahren 1516-1519 bekleidete das Amt des Administrators der Neffe und Pflegesohn des ermländischen Bischofs Lucas Watzenrode, der als Astronom bekanntgewordene ermländische Domherr Nikolaus Kopernikus. Kopernikus wohnte während dieser Zeit auf der Burg Allenstein.
Als Zeugnis erhielt sich dort bis heute eine auf dem Putz des Kreuzgangs der Burg gemalte astronomische Tafel zur Berechnung des Aequinoctiums. Zur Zeit des Krieges zwischen Polen und dem letzten Deutschordenshochmeister in Preußen Albrecht Hohenzollern ging er nach Frauenburg zurück, kam aber im Herbst des Jahres 1520 wieder nach Allenstein, das er erfolgreich gegen Angriffe des Deutschen Ordens verteidigte.
Aufgrund seiner erfolgreichen Verteidigung wurde Kopernikus zum Kommissar des Ermlands ernannt und mit dem Wiederaufbau beauftragt. Tiedemann Giese, der spätere Bischof von Ermland, war sein Assistent.
Mit der ersten Teilung Polens kam die Stadt als Teil des Ermlandes 1772 zum Königreich Preußen.
Neben Königsberg und Gumbinnen wurde Allenstein 1905 Sitz des dritten ostpreußischen Regierungsbezirks. Von 1818 bis 1910 gehörte sie dem Landkreis Allenstein an und wurde dann kreisfreie Stadt.
Der Friedensvertrag von Versailles bestimmte nach dem Ersten Weltkrieg die Durchführung einer Volksabstimmung im Abstimmungsgebiet Allenstein über den Verbleib bei Deutschland oder einen Anschluss an Polen. Eine überwältigende Mehrheit stimmte für den Verbleib, in der Stadt Allenstein mit einer Zustimmung von 98 %.
Anfang 1945 wurde die Stadt Kriegsschauplatz.
Dort wurden bei Bauarbeiten in den 50er Jahren mehrere kleinere und größere Massengräber entdeckt; das größte von ihnen barg 227 Leichen (Quelle: S. Piechocki, s. Literaturangaben). Bis März 1945 wurden in Allenstein durch Brandstiftung 1040 Häuser zerstört, bevor die Rote Armee die Kontrolle über die Stadt an die polnische Armee abtrat.
Das Vorgehen der sowjetischen Armee in Ostpreußen am Ende des Krieges und die dabei geduldeten Ausschreitungen werden u. a. auch in Werken der russischen Schriftsteller Alexander Solschenizyn (Nobelpreisträger für Literatur) (vgl. sein Buch Ostpreußische Nächte) und Lew Kopelew (vgl. sein Buch Aufbewahren für alle Zeit) thematisiert, die damals selbst Soldaten und Zeitzeugen waren.
Sehenswürdigkeiten
- Schloss Olsztyn
- St.-Jakobus-Kirche
Herz-Jesu KircheIn der ehemaligen Ordensburg des ermländischen Domkapitels mit zwei mittelalterlichen Backsteinflügeln und einem barock-klassizistischen Flügel aus dem 18. Jahrhundert ist das Museum für Ermland und Masuren untergebracht.
Die St.-Jakobus-Kirche wurde Anfang des 15. Jahrhunderts errichtet und ist heute neben dem Frauenburger Dom erzbischöfliche Konkathedrale. In dem gotischen Backsteinbau sind beachtliche Zellengewölbe erhalten.
- Das Hohe Tor sowie erhaltene Abschnitte der mittelalterlichen Stadtmauer
- Altes Rathaus, spätgotisch, restauriert zum 750. Jubiläum der Stadtgründung 2003
- Barocke Jerusalem-Kapelle
- Neugotische evangelische Kirche aus den 1850er Jahren
- Neugotische Herz-Jesu-Kirche vom Königsberger Architekt Heitmann 1902 - 1905
- Neuromanische Josephskirche von Heitmann 1912
- Neubarockes Neues Rathaus 1912-1916 mit dem sog. Russenerker (Originalreliefe mit den die Kriegsereignisse 1914 darstellenden Szenen nicht mehr erhalten)
- Theater, errichtet als "Treudank"-Theater 1925
- Der Sendemast für UKW und TV in Olsztyn-Pieczewo ist mit einer Höhe von 360 Metern seit dem Einsturz des Sendemasts von Radio Warschau in Konstantynów das höchste Bauwerk in Polen.


