Podlachien

Der  Urwald von BialowiezaPodlachien
Der Urwald von Bialowieza - im Königreich des Wisents
Es ist das letzte natürliche Fragment eines Tieflandurwalds in Europa. Er hat eine Fläche von 150 Tsd. ha (65 in Polen, der Rest in Weißrussland).

Der älteste polnische Nationalpark von Bialowieza (gegründet 1932) wurde auf die Liste der Reservate der Biosphäre und des Weltnaturerbes der UNESCO gesetzt (er figuriert als einziger polnischer Nationalpark auf diesen beiden Listen). Die Ökologen schlagen seit langem vor, den gesamten Urwald als Nationalpark gelten zu lassen (bisher steht nur ein Teil unter Naturschutz), was auf der weißrussischen Seite bereits geschehen ist. Diese Angelegenheit konnte jedoch bislang nicht gelöst werden.

Die den Urwald betreffenden Zahlen sind imposant: im Nationalpark von Bialowieza gibt es 21 Baumarten (im gesamten Urwald von Bialowieza 26) und 56 Sträucherarten. Die Pflanzenwelt des Parks wird auf fast 5000 Arten geschätzt, darunter u.a. über 3000 Pilzarten (fast 430 Hutpilzarten), 277 Flechten- und fast 200 Moosarten. Einige von ihnen gibt es nur im Urwald von Bialowieza. Bisher sind im Urwald 11 559 Tierarten (darunter 9284 Insektenarten) gezählt worden. Die berühmtesten Vertreter der Tierwelt von Bialowieza sind die in freier Wildbahn lebenden Wisente, Wölfe, Luchse, Elche, Wildschweine, Flussotter und Hermeline. Der Urwald ist auch ein Zufluchtort für Vögel. Schwarze Störche, Kraniche, Auerhähne, Birkhähne, Schneeeulen und Uhus sind eine Attraktion nicht nur für die diese Gebiete zahlreich besuchenden Vogelkundler.

Der Urwald von BialowiezaAußer dem Nationalpark von Bialowieza gibt es im Urwald 21 Naturschutzgebiete. U.a. gibt es hier das Tiervorzeigreservat. In großen Gehegen wurden ähnliche Lebensbedingungen für die Tiere geschaffen, in denen sie in freier Wildbahn leben würden. Die Hauptattraktion des Reservats ist der Wisent, man kann hier jedoch Wildschweine, Elche, Wölfe, Rehe, Hirsche, mächtige Wisentpferde (Kreuzung des Wisents mit dem Hausvieh) und polnische Pferdchen sehen.
Eine Attraktion ist auch Bialowieza - ein altes Dorf im Urwald mit Holzbohlenhäusern und einer orthodoxen Kirche (cerkiew).

Die Mehrheit der 2 Tsd. Einwohner ist russisch-orthodox. Bialowieza ist sowohl ein Zentrum des Tourismus als auch der Wissenschaft, wahrscheinlich die "am besten ausgebildete” Ortschaft Polens - der Prozentsatz der Wissenschaftler (hauptsächlich Naturkundler) ist hier "wahnsinnig" hoch.
Interessant ist der in der Nähe von Bialowieza gelegene Ort der Kraft. Zwischen Eichen und Kiefern mit mehreren Stämmen, die einer Wurzel entwachsen, befindet sich ein steinerner Kreis.

Die Wünschelrutengänger behaupten, dass er ein überaus starkes, sich auf den Menschen positiv auswirkendes magnetisches Feld erzeugt - die eigenartige, von dem Stein ausgehende Energie beseitigt die Erschöpfung und lindert Schmerzen. Die Wünschelrutengänger haben festgestellt, dass Bialowieza auf einer ganz Europa durchquerenden Strahlungslinie liegt, die u.a. Gniezno /Gnesen/ mit dem legendären Kultusort im Harz und mit der westfälischen Kapelle der Sekte der Katarren in Druggelte verbindet.

Poland_NarewNarew und Biebrza - polnisches Amazonien
Der nordöstliche Teil der Tiefebene von Podlasie gehört zu den schönsten und wildesten Ecken des Landes. Im Biebrza-Kessel und -Tal befindet sich das größte und am besten erhaltene natürliche Moorgebiet Europas, das auch durch die RAMSAR-Konvention erfasst wird, die die für Wasser- und Sumpfvögel besonders wichtigen Gebiete schützt. Dieses Gebiet steht ebenfalls unter dem Schutz des größten Nationalparks in Polen (59 Tsd. ha) - Biebrzanski Park Narodowy.
Im Park befinden sich Wasser-Biotope, Sümpfe, verwachsenes Gebüsch und Wälder. Die Flora ist zonenartig gestaltet. Am Flussufer verläuft die Schilfrohrzone, in alten Flussbetten wachsen Wasserpflanzen (z.b. weiße Teichrosen). Die nächste Zone bilden Wasseraustrittgebiete, die in grasbewachsene Flächen mit niedrigem Gebüsch übergehen, Moose und Riedgras auf Torfboden. Hier findet man Relikte aus der Eiszeit: Torfsteinbrech, Sonnentau, königliches Läusekraut und blaues Sperrkraut. Dahinter wachsen Erlen, Birken, Fichten- und Kiefernwälder.
Die Sümpfe an der Biebrza sind der größte polnische Zufluchtsort der Elche (im 2500 ha großen, unter strengem Naturschutz stehenden Gebiet "Roter Sumpf" leben 500 Exemplare).

Es mangelt hier auch nicht an Bibern (der Flussname Biebrza stammt vom "Biber"), Hirschen, Rehen, Wildschweinen und Flussottern. In den Sümpfen leben auch Wölfe, Füchse, Marder, Marderhunde, Wiesel und Iltisse. Biebrza und ihre Ufer sind jedoch vor allem ein Leckerbissen für Ornithologen. Hier wohnen 269 Vogelarten, darunter 178 Brutvogelarten. Hier rasten im Frühling und Herbst die Zugvögel. Am häufigsten kommen hier selbstverständlich Wasser- und Sumpfvogelarten vor - Möwen, Seeschwalben, Höckerschwäne, zahlreiche Enten- und Gänsearten und Haubentaucher. Es ist auch der Lieblingsort weißer und schwarzer Störche, grauer Reiher und Kraniche, am Himmel kann man manchmal den Steinadler, den breitschnabligen Schreiadler erblicken, hier lebt auch der Uhu und die Wassereule.

Das zweite Sumpfgebiet, ein Teil des Narew-Tales wird als "polnisches Amazonien” bezeichnet. Als eine der wenigen ruhigen Zufluchtstätten in Polen wurde sie erst kürzlich von den Touristen entdeckt. Die hiesigen Dörfer und Städtchen mit niedriger Bebauung sind schläfrig, weit ab vom Lärm der Gegenwart entfernt. Die Einheimischen haben auch erst jetzt die touristischen Vorzüge ihrer Region erkannt und wundern sich häufig, dass eine Flussfahrt mit einem Stechkahn - d.h. mit einem Boot, das mit einem Ruder (oder mit einem Stab) von 4,5 m - für jemanden attraktiv sein kann.

RozlewiskaDerweil garantiert allein der Anblick der sich bis zum Horizont ziehenden Felder und der Wasseraustrittgebiete der Narew, das Vögelgezwitscher und das Gequake der Frösche den Touristen die langersehnte Erholung.
Das Gebiet eines der letzten natürlichen, regulär überschwemmter Täler mit einem Netz sich verzweigender und wieder vereinigender, unregelmäßig verlaufender Flussbetten steht unter Naturschutz des jüngsten, erst 1996 entstandenen Narwianski Park Narodowy /Narew-Nationalpark/ (7350 ha). Auch hier sind die über 200 Vogelarten Könige - darunter auch die in Europa selten vorkommenden Pfeifenten, Pfuhlschnepfen, Kampfläufer und Grünlinge. Der Park bietet den Ornithologen echte Raritäten: z.B. schwarze Seemöwen, Rohrdommeln, Schnepfen und Uferschnepfen.

An der Narew kommen Haubentaucher und Rohrsänger zur Welt - Vogelarten die weltweit vom Aussterben bedroht sind. Unter den Säugetieren verdienen die flinken Flussottern und Biber Aufmerksamkeit. Im Park gibt es ebenfalls einige Elche, Waldmarder, Hermeline und Wiesel. Es ist auch der Wohnort wunderschöner Libellen und Lurche: Lachfrösche, Flachlandunken, und Wassermolche. In den Gewässern gibt es über 20 Fischarten, darunter Hechte, Karauschen, Schleien, Karpfen, Brassen und Welse.

Die Gebiete um die Narew und Biebrza sind zwar in gewisser Weise eine Wildnis, sie sind jedoch nicht unerreichbar. Im Gegenteil - es mangelt hier nicht an Pensionen, Biwakplätzen und vor allem an privaten agrotouristischen Unterkünften. In diesem wasser- und sumpfreichen Gebiet gibt es trotzdem viele Wanderwege. Beide Flüsse sind natürliche, herrliche Wasserrouten für Boote und Kajaks - auf diesem Wege sind beide Parks übrigens am besten zu besichtigen. Wichtig: Den Sonnenaufgang an der Biebrza darf man auf keinen Fall verpassen - dieser Anblick bleibt ein Leben lang in Erinnerung.