Geschichte

Urslawische Anfänge
Die ersten menschlichen Spuren im Flussgebiet von Weichsel (Wisla) und Oder (Odra) sind 100 000 Jahre alt. Die Neandertaler (homo sapiens neandertalis) sind als Jäger vor allem in die Gebiete des heutigen Südpolens gezogen. Die ersten Spuren fester menschlicher Behausung in Polen (homo sapiens sapiens) stammen aus der Mittelsteinzeit (8000-5500 v. Chr.). Die damaligen Siedler waren von der Donau her in die polnischen Gebiete gezogen.
Aufgrund von Überfällen kriegerischer asiatischer Stämme begannen die Bewohner des heutigen Polens, sich in größeren Gruppen zu organisieren und befestigte Siedlungen zu errichten. Ein Beispiel dafür ist die befestigte Siedlung in Biskupin (8. Jh. v. Chr.), die auf einer Insel lag und mit einem Schutzwall umgeben war. Hier bewohnten 1000-1200 Menschen.  

Siedlung in Biskupin
In den folgenden Jahrhunderten (vom 6. Jh. v. Chr. an) wurde Polen mehrmals von Osten durch skythische und sarmatische und vom Westen durch keltische und germanische Stämme überfallen. Die Eindringlinge assimilierten sich häufig, nachdem sie sich auf den eroberten Gebieten niedergelassen hatten. Diese Raubzüge haben - abgesehen von den Verwüstungen - auch zu Errungenschaften der damals zivilisierten Welt auf polnischem Boden geführt. Sie haben auch das Interesse der Kaufleute an diesen Gebieten geweckt - die ersten Spuren der Bernsteinstraße, die von der Ostsee nach Rom verläuft, werden auf das 5. Jh. v. Chr. datiert.

BISKUPIN - das bekannteste archäologische Reservat in Mittel-europa. Die Ausgrabungen haben in Biskupin im Jahre 1934 begonnen. Die geführten Grabungsarbeiten unter Anwendung von modernen Untersuchungsmethoden haben bald ganz ungewöhnliche Ausmaße angenommen. Infolge dieser Ausgrabungen wurden die Holzkonstruk-tionen einer Siedlung von vor über 2700 Jahren (in einem ausgezeichneten Erhaltungszustand) entdeckt. Vor dem Krieg wurde Biskupin als ?Pol-nische Pompeji" bezeichnet.

Die befestigte Siedlung der Lausizter Kultur wurde auf einer ur-sprünglich sumpfigen, etwa 2 ha großen Halbinsel erbaut. Sie war von einem Wellenbrecher, der aus schräg in den Untergrund eingerammten Pfählen erbaut war, und einem aus Holzkästen konstruierten Schutzwall umgeben. Entlang des Schutzwalles verlief eine Ringstraße, die die Quer-straßen verband. Innerhalb der Siedlung wurden in Reihen etwa 100 Häuser mit gemeinsamen Giebelwänden erbaut. Alle Häuser nahmen eine ähnliche Fläche (ca. 80 m2) ein und jedes Haus war in zwei Teile ge-gliedert - in Vorraum und Hauptstube. In der Stubenmitte lag die Herd-stelle und links vom Eingang befand sich ein großes Schlaf lager, auf dem die ganze Familie von 8-10 Personen schlief. Die Siedlung war von einem etwa 800 bis 1000 Personen zählenden Stamm bewohnt. Ins Siedlungsin-nere konnte man durch ein Tor in dem Schutzwall gelangen, das von einem Turm geschützt war. Durch das Wasser und Sumpfgelände führte in die Siedlung eine etwa 250 m lange Brücke.

Besichtigung

Die Besichtigung des Reservates beginnen wir am Gebäude der Por-tierloge, wo sich die Kasse und eine Verkaufstelle von Veröffentlichungen und Andenken befinden, wo auch die Führer auf Gruppen warten. Die Richtung der Besichtigung wird durch Pfeile mit Beschriftung ?Zur Ausgrabungen" (?Do wykopalisk") angegeben.

Das erste angetroffene Objekt ist ein Patuki-Haus aus der zweiten Hälfte des achzehnten Jahrhunderts mit einem Schwengelbrunnen und einem funktionierenden Bienenstand. Vor dem Eingang auf die Halb-insel stehen zwei Zeichen, die die Sonne und den Kosmos symbolisieren sowie ein Zeichen, das dem Fruchtbarkeitskult gewidmet ist. Wir biegen nach links ab und neben der Anlegestelle des Schiffes ?Teufel von Vene-dig" nähern wir uns einem Siedlungsplan. Von hier aus haben wir den be-sten Ausblick auf die Ausgrabung mit Relikten der hölzernen Siedlung und auf die Rekonstruktionen. Durch eine Rekonstruktion des Tores kommen wir in die Siedlung. Rekonstruiert wurden zwei Reihen Häuser, eine Querstraße sowie Abschnitte der Schutzwälle. Zwei Innenräume wurden komplett rekonstruiert und in einem dritten befindet sich eine Photoaustellung, die der Geschichte der Grabungsforschungen in Bisku-pin gewidmet ist.

Durch einen Durchgang in der Wallrekonstruktion begeben wir uns in den Museumspavillon. Die Ausstellung ?Der Anbruch der Geschichte an dem Biskupiner See" ist der Geschichte von Biskupin und seiner Umgebung seit dem Auftauchen des Menschen auf diesem Gebiet (dh. von der späten Altsteinzeit bis zum Mittelalter) gewidmet. Bemerken-swert sind in dem ersten Teil die Rekonstruktionen eines Lagers meso-lithischer Rentierjäger, eines langen Hauses der ersten Ackerbauer so-wie ein Skelettgrab einer Frau mit Armbändern. In der Zeitperiode der Lausitzer Kultur hat sich der Brauch verbreitet, die Toten auf einem Scheiterhaufen zu verbrennen.Die Aschen legte man in eine Urne zu-sammen mit der Nahrung für den Weg nach dem Tode. Nach dem Unter-gang der befestigten Siedlung hat sich die Bevölkerung zerstreut und die Toten wurden in Glockengräbern oder aus Steinplatten gebauten Kisten-gräbern bestattet.

In dem Ausstellungsteil, der dem Leben der Einwohner des Lausit-zer Biskupin gewidmet ist, beachtenswert ist: eine Rekonstruktion des Baues von Biskupin mit Lokalisierung und Anzeichnung der Ackerbau-, Jagd- und Fischfanggebiete u.a.

In dem dritten Teil, der den keltischen, römischen sowie frühmitter-alterlichen Einflüssen gewidmet ist, fällt das räumliche Modell des Bi-skupiner Siedlungsraumes auf. Ein außergewöhnliches Objekt ist hier die sog. Kaptorga - ein kleines Kästchen aus Silberblech zum Aufbewah-ren von Reliquien. In diesem Teil werden auch Objekte aus den auf der Burg in Wenecja geführten Ausgrabungen präsentiert.

In dem hinter dem Museumsgebäude liegenden Teil des Reservates befindet sich ein Quartier, das der experimentellen Archäologie gewid-met ist. Rekonstruiert wurden hier: ein Pferdestall, ein Schafstall, ein Schober, eine Scheune sowie ein Töpfer- und ein Brotofen. Im Reservat werden seit vielen Jahren kleine Versuchsfelder bebaut sowie die Heid-schnucken, die rote Rasse des polnischen Tieflandsviehs, die Ziegen und kleine polnische Pferde, die sog. Tarpane gezüchtet.

Alljährlich in der dritten Woche des Septembers findet in Biskupin ein großes archäologisches Fest statt, auf dem die Spezialisten aus ganz Polen wie auch aus anderen Ländern verschiedene Lebenserscheinungen der Menschen in den prähistorischen Zeiten präsentieren. Die attraktive Form dieser Vorführungen zieht große Scharen von Touristen an.

Informationen

Das Museum in Biskupin ist das ganze Jahr täglich von 8°° bis 18°° Uhr (im Winter bis zur Dämmerung) geöffnet. Alljährlich wird Biskupin von über 250 000 Menschen besucht. Nur für angemeldete Gruppen ist eine Führung möglich.

Anmeldung - PMA (Staatliches Archäologisches Museum), Biskupin 17,88-410 Ga.sawa, Tel./Fax: (48)52 30-25-025 oder 30-25-055.

Das Schiff verkehrt von Mai bis September zwischen 9°° und 17"" Uhr. Eine Rundfahrt dauert etwa 30 min.

Die Besichtigunszeit des Reservates beträgt von 1,5 bis 2 Stunden.
Biskupin.pl

Die Anfänge des Staates
Mitte des 10. Jh. bekannte sich die über die Polanen herrschende Piastendynastie zum Christentum. Obwohl die Kontakte zur christlichen Welt bereits früher bestanden, entschloss sich erst der Polanenfürst Mieszko, aus der Religion einen Faktor zu machen, welcher das Ansehen des Staates und des Herrschers nicht nur im Innern sondern auch nach außen hin festigen würde. Eine gemeinsame Religion sollte die ihm untergeordneten Stämme fester zusammenbinden, und auch die Position seiner Dynastie als ?Herrscher von Gottes Gnaden? stärken. Doch vor allem wollte er durch die Eingliederung Polens in die christliche Welt einer gewaltsamen "Christianisierung der Slawen" durch die Deutschen zuvorkommen. Im Jahre 966 ließ sich Mieszko taufen, und dieses Jahr gilt als das Gründungsjahr eines christlichen, unabhängigen, zentralisierten polnischen Staates nach europäischem Muster.

Mieszko I. und Boleslaw Chrobry (der Tapfere) - "Erbauer des Staates"
Die Herrschaft von Mieszko I. (?-992) und seines Sohnes Boleslaw, genannt Chrobry (der Tapfere), war die Zeit der Vereinigung polnischer Stämme und des Aufbaus eines modernen Staates, der nicht nur innerlich stabil war, sondern auch international eine aktive Rolle in der europäischen Politik spielte. Mittels bewaffneter Konflikte, gezielter Förderung des Handels, durch Eheschließungen zwischen Fürstenhäusern und den Aufbau eines effektiven administrativen Systems, das u. a. auf der Kirchenstruktur basierte, wurden Pommern (Pomorze), Kleinpolen (Malopolska) und Schlesien (Slask) an Polen angeschlossen (972-990). Polen wurde ein Staat von internationalem Rang.
Die durch Mieszko und Boleslaw gekonnt geführten Kriege erlaubten Polen, sich territorial auszuweiten (nach Ruthenien, und vorübergehend auch nach Mähren und in die Lausitz), und sich bei potentiellen Aggressoren Respekt zu verschaffen. Die größten Erfolge in der Außenpolitik der ersten Piasten waren das Treffen in Gnesen (1000), auf welchem Kaiser Otto III. Boleslaw seinen wichtigsten Bündnispartner bei der Vereinigung Europas unter dem kaiserlichen Zepter nannte sowie die Errichtung einer unabhängigen polnischen Kirchenprovinz billigte, sowie die Krönung von Boleslaw im Jahre 1025.

Kazimierz I. Odnowiciel (Kasimir, der Erneuerer) und Boleslaw Smialy (der Kühne)
Erst unter der Herrschaft von Kazimierz, dem Sohn von Mieszko II., konnte sich der polnische Staat erneut stabilisieren. Der Fürst, von nachfolgenden Generationen der "Erneuerer" genannt, stellte mit Unterstützung des Kaisers Konrad und durch geschickt geschlossene Bündnisse (vor allem mit Ruthenien) die administrative Einheit des Landes wieder her. Auch Schlesien, Masowien und Pommern wurden dabei zurückgewonnen.
Auf der internationalen Bühne gewann Polen immer mehr an Bedeutung. Boleslaw II. (der Kühne) setzte die Politik seines Vaters fort. Dank der Unterstützung des Papstes beim Investiturstreit und seiner militärischen Fähigkeiten gewann er die Königskrone zurück (1076). Er entschied auch über die Thronbesetzung in Ruthenien und Ungarn und stoppte erfolgreich die Expansion des deutschen Kaiserreiches nach Osten.
1079 verlor Boleslaw II. jedoch den Thron durch einen vom Kaiserreich und Böhmen unterstützten Aufstand. Nicht ohne Bedeutung war dabei der Konflikt zwischen dem König und dem Krakauer Bischof Stanislaw, wodurch Boleslaw II. die Unterstützung der Kirche verlor.

Kazimierz I.
Kazimierz I. genannt der Erneuerer, (polnisch) Kazimierz I Odnowiciel (* 26. Juli 1016; ? 28. November 1058) war der Sohn von König Mieszko II. aus seiner Verbindung mit der Nichte Kaisers Otto III., Richeza; Herzog von Polen von 1034 bis 1058, aus der Dynastie der Piasten.

Biographie
Über sein Leben ist wenig bekannt und es gibt viele Widersprüche in den Quellen. Der Vater starb 1034, zu dieser Zeit hielt sich Kasimir in Deutschland am Hofe seines Onkels, des Erzbischofs von Köln, Pfalzgraf Hermann II. auf. Er kam nach dem Tod des Vaters mit seiner Mutter nach Polen um sein Erbe anzutreten, musste das Land jedoch 1037 auf Druck der Opposition Richtung Ungarn verlassen, von wo er sich direkt ins Reich begab (eventuell kam er erst 1037 nach Polen, während seiner ersten Intervention, die fehlschlug).

Zwischen 1034 - 1038 und dem Jahr der Rückkehr Kasimirs nach Polen, fand ein rapider Auflösungsprozess des polnischen Staates statt: Pommern und Masowien verselbständigten sich, in das aus Chaos und Anarchie bestehende Vakuum marschierten 1038 die Böhmen in Polen ein (siehe auch Bretislav I.) und verwüsteten im Verbund mit den heidnischen Pomoranen und Pruzzen weite Gebiete Großpolens. Das durch heidnische Reaktionen zusätzlich geschwächte Land, war den Invasoren widerstandlos ausgeliefert. Sie erbeuteten die Gebeine des Heiligen Adalbert und anderer Heiliger aus polnischen Kathedralen, die sie nach Prag mitnahmen und einen dauerhaften Disput zwischen Böhmen und Polen hervorbeschworen, anschließend wurde Schlesien annektiert. Durch die Unterstützung Kaisers Heinrich III. und Ungarns gelang es ihm erst 1039 erfolgreich in den Kernprovinzen des Reiches, Kleinpolen und Großpolen, Fuß zu fassen.

Im gleichen Jahr schloss Kasimir ein Bündnis mit dem Großfürsten von Kiew, Jaroslaw dem Weisen, dessen Schwester, Dobroniega Maria, Kasimir um 1041 heiratete. Mit der Hilfe des ruthenischen Großfürsten gelang es ihm 1047 Masowien und wahrscheinlich auch Pomerellen zu unterwerfen und sich zwischen 1046 - 1050 auch Schlesien zu sichern, welches 1054 offiziell Polen zugesprochen wurde. Sein Konflikt mit Siemomysl, Herzog von Pommern, wurde 1046 vor Kaiser Heinrich III. verhandelt.

Nach allen diesen Kriegen widmete sich Kasimir dem Aufbau des Staates, dessen Hauptstadt - nach der Verwüstung Großpolens während der Kriege und Aufstände - nun Krakau wurde. Er erneuerte die staatlich-königlichen Institutionen, sowie die Römisch-Katholische Kirche. Diese Leistung hat ihm den Namen des "Erneuerers" eingetragen, aber Polen gewann die alte Machtstellung, die es unter Boleslaw I. dem Tapferen innegehabt hatte, nicht zurück.

Kasimir I. starb am 28. November 1058 und hinterließ vier Söhne, von denen nur drei das Erwachsenalter erreichten, und die Tochter Swatawa, die spätere und erste Königin von Böhmen. Obwohl er historisch stets im Schatten seiner erfolgreichen Vor- und Nachfahren stand, war Kasimir einer der bedeutendsten Vertreter des Piastenhauses überhaupt.


Boleslaw II
Boleslaw II., genannt der Kühne, (poln.) Boleslaw II Smialy, (lat.) Boleslaus (* 1042; ? 22. März 1081 Ossiach in Kärnten) war der Sohn von Herzog Kasimir und der Fürstin Dobroniega Maria; Herzog von Polen 1058-1076, König von Polen 1076-1079, aus der Dynastie der Piasten.

Leben
Die Politik des Vaters weiterführend, konzentrierte sich Boleslaw II. auf die Aufgaben des inneren Aufbaus des Staates, insbesondere im wirtschaftlichen und kirchlichen Bereich: vor allem hat Boleslaw ein Netz von Märkten angelegt, die Münzprägung gefördert, die Benediktinerabteien Tyniec bei Krakau und Mogilno in Kujawien entweder gegründet bzw. großzügig ausgestattet.

Boleslaw musste aber vom Beginn seiner Regierung an auf die politischen Schwierigkeiten seiner Verwandten Rücksicht nehmen: 1060 intervenierte er in Ungarn zugunsten seines Onkels Béla I., 1063 kam er seinem Vetter Géza I. zu Hilfe, 1077 trat er für seinen Vetter Ladislaus I. ein und mehrmals (1069, 1077) verhalf er seinem Vetter und Onkel, dem Großfürsten Izjaslaw von Kiew zur Rückgewinnung seines Throns (Izjaslav war Boleslaws Vetter mütterlicherseits, der mit seiner Tante Getrud verheiratet wurde und somit auch sein Onkel war). Die guten Beziehungen Boleslaws zu Herzog Vratislav von Böhmen, der seit 1063 mit Boleslaws Schwester, Swietoslawa von Polen, vermählt war, verschlechterten sich aus unbekannten Gründen um 1070. Der deutsche König, Heinrich IV., forderte eine Beendigung der gegenseitigen Raubzüge. Als Boleslaw 1072 gegen diese königliche Weisung verstieß, wurde ein großer Feldzug gegen Polen vorbereitet, was von der sächsischen Opposition als ein Täuschungsmanöver verstanden wurde und zum Sachsenaufstand von 1073 beitrug. Boleslaw nutzte die neue Situation: Er verweigerte den Tribut sowohl dem deutschen König als auch dem böhmischen Herzog aus Schlesien.

Spätestens nach der römischen Fastensynode vom Februar 1075 wandte sich Boleslaw an Papst Gregor VII., der im April des Jahres seine Legaten nach Polen schickte, um die kirchlichen Verhältnisse zu ordnen und insbesondere um die Gnesener Metropolitanrechte wiederherzustellen. Die politischen Fragen wurden im päpstlichen Schreiben nicht berücksichtigt; sie gehörten offensichtlich zu den mündlichen Aufträgen, die der Papst den Legaten mitgegeben hatte. Unbekannt sind die Bedingungen, unter welchen die Krönung Boleslaws zum König von Polen 1076 vollzogen wurde. Sollte Gregor VII. in Einklang mit den Grundsätzen seiner Lehnspolitik die Absicht gehabt haben, Polen in ein Lehnsverhältnis zum Heiliger Stuhl zu bringen, so ist er über bloße Ansprüche nicht hinausgekommen. Man kann dagegen vermuten, dass sich Boleslaw bereit erklärte, den Peterspfennig einzuführen und dass eben er ihn auch tatsächlich eingeführt hat. Da es sich aber bei dem Peterspfennig um eine Herdsteuer handelte, die von der Bevölkerung bezahlt wurde, konnte seine Erhebung nicht zu einer engeren Bindung des polnischen Königtums an das Papsttum führen.

Boleslaws militärische Interventionen in der Kiewer Rus und im Königreich Ungarn, zeigten, wie mächtig das neue Königtum war. Die autoritären Züge in Boleslaws Regierung verschärften sich nach der Krönung, wohl in Überschätzung seiner Königswürde. Zu einem offenen Konflikt zwischen Boleslaw und der Adelsopposition kam es spätestens um die Wende 1079. Als Boleslaw den Bischof Stanislaus von Krakau als angeblichen Verräter verstümmeln ließ (?truncacioni membrorum adhibuit?, ? 11. April 1079), brach ein Aufstand aus: Boleslaw musste schließlich aus dem Lande fliehen und suchte Ladislaus I. von Ungarn um Hilfe und Schutz. Er verstarb schließlich im ungarischen Exil (im Kloster in Ossiach). Nachfolger wurde sein Bruder Wladyslaw I. Herman, der aber nur als Herzog regierte.

Die Jagiellonen
Die Jagiellonen waren eine im Mannesstamm aus Litauen stammende Nebenlinie des Hauses Gediminas und eine europäische Dynastie, die von 1386 bis 1572 die polnische Könige und die Großfürsten von Litauen stellte. Auch waren sie ab dem 15. Jahrhundert ungarische, kroatische und böhmische Könige.

Als Gründer dieser Dynastie gilt der litauische Großfürst Jogaila (polnisch: Jagiello), der als Wladyslaw II. Jagiello im Jahre 1386 durch Heirat mit der polnischen Königin Hedwig von Anjou den polnischen Thron zu Krakau bestieg.

Jogaila war viermal verheiratet, zuletzt seit 1422 mit Sofia (Sonka) aus dem litauisch-ruthenischen Fürstenhaus Holszanski. Sie gebar ihm zwei Söhne, Wladyslaw III. und Kasimir IV.. Den polnischen Thron erbte Wladyslaw, der nach seiner Wahl zum ungarischen König 1444 bei der Rettung von Konstantinopel in der Türkenschlacht bei Varna fiel. Kasimir (IV.), seit 1440 Großfürst von Litauen, wurde 1447 auf den polnischen Thron berufen. Seiner Ehe mit Elisabeth von Habsburg, Tochter des deutschen Königs Albrecht II., entstammten dreizehn Kinder. Er knüpfte mit vielen europäischen Dynastien Heiratsverbindungen.
Auch in Ungarn, Kroatien und Böhmen konnten sich jagiellonische Prinzen als Könige etablieren, zuerst in Konkurrenz, dann (nach dem Zwischenspiel Matthias Corvinus) in Zusammenarbeit mit den Habsburgern. Vladislav II. von Böhmen, Ungarn und Kroatien herrschte in drei Ländern, ebenso sein Sohn Ludwig II.. Nach dessen unglücklichem Tod 1526 in der Schlacht bei Mohács wurde er vom Habsburger Ferdinand I. und vom Magnaten Johann Zápolya (Schwager Sigismunds I. und Vladislavs II., sowie Onkel und Regent Ludwigs II.) beerbt. Zapolya heiratete 1539 zudem Sigismunds Tochter Isabella und vermachte beider Sohn die ungarische Krone mit dem Fürstentum Siebenbürgen.

Mit Sigismund August, dem König von Polen und Großfürst von Litauen, starb das Geschlecht der Jagiellonen im Mannesstamm aus, worauf in Polen und Litauen das Erbkönigtum durch ein Wahlkönigtum abgelöst wurde. Beide Länder verschmolzen zur Rzeczpospolita, einer Adelsrepublik mit einem Wahlkönig an der Staatsspitze.

Die Jagiellonen beherrschten dank ihrer vielfältigen Verbindungen mit den Adelsfamilien Europas um 1500 das Königreich Polen, das Großfürstentum Litauen, das Königreich Böhmen, das Königreich Ungarn und das Königreich Kroatien. Sie strebten nach der Aufrechterhaltung eines Gleichgewichts mit dem römisch-deutschen Kaisertum, dem Osmanischen Reich und der Festigung des Besitzstandes an der Ostflanke auf dem Gebiet der ehemaligen Kiewer Rus gegen das Großfürstentum Moskau. Deshalb überließ 1515 Sigismund I. im Wiener Vertrag die Kronen Ungarns, Kroatiens und Böhmens den Nachkommen aus der Eheverbindung Ludwigs II. mit dem Haus Habsburg. In der Ostpolitik konnten die Jagiellonen das Kräftegleichgewicht angesichts der wachsenden Macht des Großfürstentums Moskau bewahren. Dieser Konflikt, in den sich auch das Königreich Polen in Folge der Moskowitisch-Litauischen Kriege und der Lubliner Union von 1569 hineingezogen sah, wurde erst nach langdauernden Kriegen unter der Herrschaft König Stephan Báthorys gelöst. Die Nachkommen Jagiellos, die den größten Staat im Mitteleuropa während des 14., 15. und 16. Jahrhunderts schufen, legten auch den Grund der jagiellonischen Idee, die noch im 20. Jahrhundert in der Vorstellung von 'Polen von Meer zu Meer', das heißt von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer, weiterlebte.

Schwedische Dynastie auf dem polnischen Thron
Nach dem Tod von Stephan Bathory 1586 wurde der Enkel von Zygmunt I. Stary, der schwedische Königssohn Sigismund, zum ersten polnischen König aus der Wasa-Dynastie gewählt. Die insgesamt 70 Jahre regierenden Könige aus dem Wasageschlecht Zygmunt III. (Sigismund), Wladyslaw IV., Jan Kazimierz (Kasimir, bis 1668) haben zwar das Ansehen von Polen als einem großen und bedeutenden Staat Europas bewahrt, gleichzeitig aber das Königreich in eine Reihe von militärischen Konflikten verwickelt, den blutigen Bürgerkrieg in der Ukraine nicht verhindert und die Position der Magnaten stärker werden lassen.

Kriege und Verwüstungen
Seit Beginn des 17. Jh. führte Polen in einem fort Kriege gegen seine Nachbarn. Die Siege (1605 Kircholm - über Schweden, 1610 Kluszyn - über Russland, 1621 Chocim - über die Türken) wechselten mit Niederlagen (1612 - Scheitern der polnischen Intervention in Russland, 1620 - Niederlage bei der Schlacht gegen die Türken bei Cecora, 1648 - eine Reihe von Niederlagen während des Kosakenaufstandes unter Chmielnicki in der Ukraine). Dies konnte blieb nicht ohne Folgen für Polens innere Lage: Das Land war verwüstet und die Staatskasse leer. Und während die Reichstage (Sejm) ausfielen (erstmals 1652), vergrößerte sich der Widerstand des Adels gegen die Macht des Königs.  
Den verhängnisvollen Höhepunkt erreichten diese Ereignisse mit der "schwedischen Sintflut" (1655-60), als sich Polen gegen den gleichzeitigen Einmarsch schwedischer, russischer, preußischer und siebenbürgischer Truppen sowie der Kosaken zu wehren hatte. Obwohl die Polen siegten, blieb ihnen ein verwüstetes, innerlich geschwächtes Land. Unter dem Druck gegenreformatorischer Stimmungen und durch die Kriege gegen Staaten, die von Andersgläubigen regiert wurden (das griechisch-orthodoxe Russland und das protestantische Schweden) begann nahm die Toleranz gegenüber anderen Religionen ab. Adel und Hochadel revoltierten, so dass es 1665 zu einem Bürgerkrieg kam, der König Jan Kazimierz II. zur Abdankung veranlasste (1668).

Sieger bei Wien
Nach der Herrschaft des Königs Michal Korybut Wisniowiecki (1669-73) ist der Feldherr Jan Sobieski III. auf den Thron gestiegen, der sich in den Kriegen gegen die Türkei heldenhaft verhalten hatte. Sobieski hatte über einen Staat zu herrschen, in dem die Hochadelfraktionen gegeneinander kämpften und der territorial durch die vorübergehende Besetzung von Podolien durch die Türken geschwächt war.  
Obwohl Polen weiterhin militärische Siege errang (Wien 1683), schaffte man nicht, seine inneren Angelegenheiten zu ordnen. Auch auf diplomatischer Ebene konnte Polen keine Erfolge verzeichnen. Man verlor die Hälfte der Ukraine an Russland und ging ein unsicheres Bündnisse mit Frankreich und Österreich ein. Mit dem Tod Jan III. Sobieskis (1696) endete die Adelsepoche in Polen. Seit diesem Zeitpunkt spielte der Hochadel die entscheidende Rolle und die Triumphe des polnischen Heers gehörten der Vergangenheit an.

Napoleon ? die Hoffnung der Polen
Die militärischen Erfolge von Napoleon um die Jahrhundertwende gaben der Hoffnung auf Rückgewinnung der Unabhängigkeit neue Nahrung. Die in Italien aufgestellten polnischen Legionen haben in mehreren Schlachten zur Zeit Napoleons gekämpft (Trebia, Hohenlinden, Marengo). Gleichzeitig plante Adam Czartoryski, der damalige Außenminister Russlands, die Wiedergeburt des polnischen Staates unter dem Zepter des russischen Zaren Alexander I. Jahrzehntelang gab es eine Trennung zwischen den Polen, die mit dem Osten kollaborierten und Anhängern der östlichen Großmacht, was sich auf die Geschichte Polens mehrfach auswirkte.
Napoleon hat teilweise die mit ihm verbundenen Hoffnungen erfüllt. Nach dem Sieg über Österreich und Preußen hat er aus den Teilgebieten des ehemaligen Polens 1807 das Herzogtum Warschau gegründet. Er half auch den Polen, ihre eigene Armee unter der Führung des Neffen des letzten polnischen Königs, Herzog Józef Poniatowski, aufzustellen. Die polnischen Truppen nahmen an allen Feldzügen und größeren Schlachten teil, u. a. bei Borodino und bei Leipzig, wo Herzog Poniatowski ums Leben kam. Die Niederlage im Feldzug gegen Russland (1811-12) und der anschließende Untergang des Kaisers haben die europäische und besonders die polnische Zukunft beeinflusst. Anstelle des Herzogtums Warschau wurde das Königreich Polen gegründet, das mit Russland in Personalunion vereint war (der Zar von Russland war zugleich König von Polen), mit einer eigenen Verfassung, einem eigenem Sejm, Armee und Staatsschatz. Von den restlichen polnischen Gebieten wurde das Großherzogtum Posen unter der Guide von Preußen und die freie Stadt Krakau unter dem "Schutz" aller drei Teilungsmächte gegründet.

Russifizierung und Germanisierung
Nach dem Januar-Aufstand 1863/64 setzten im Königreich Polen gewaltige Repressalien ein und die nächsten politischen Aktivisten, Künstler und Soldaten flüchteten ins Ausland. Die Russifizierungsmaßnahmen verschärften sich, so dass z. B. Polnisch aus den Schulen und aus der Verwaltung verschwand. In den von Preußen besetzten Gebieten griffen die Behörden mehrmals rücksichtslos durch, um die Bevölkerung ihrer Germanisierungspolitik zu unterziehen. In Russland und Preußen war die katholische Kirche starken Repressalien ausgesetzt. Nur Galizien genoss eine relativ große Freizügigkeit. 1867 erhielt es einen autonomen Status, einen Landtag, eine polnische Verwaltung und polnische Schulen. Im Unterschied zu den von Preußen und Russland besetzten Gebieten herrschte in Galizien großes Elend und es gab - mit Ausnahme der Großstädte - einen sozialen Rückstand.

Der Weg zur Souveränität
Zum Ende des Ersten Weltkrieges tauchte Polen nach 123 Jahren wieder auf der europäischen Landkarte auf. Die politischen Pläne vom Kommandant der polnischen Legionen Józef Pilsudski sollten sich erfüllen. Er orientierte sich auf Österreich und rechnete damit, dass Deutschland und Österreich-Ungarn Russland besiegen, aber durch Frankreich und England bekämpft werden. Danach konnte auf den Trümmern der Teilungsmächte das souveräne Polen entstehen. Russland ist nach der Revolution von 1917 aus dem Krieg ausgeschieden, Deutschland und Österreich-Ungarn haben vor der Entente kapituliert.
Der Versailler Vertrag, der den Ersten Weltkrieg beendete, hat die polnische Souveränität sanktioniert. Bereits im Oktober 1918 begannen die polnischen Einheiten mit der Entwaffung der deutschen und österreichischen Soldaten. Am 7. November entstand die erste provisorische polnische Regierung mit dem Sozialisten Ignacy Daszynski an der Spitze. Nach der Rückkehr von Józef Pilsudski nach Polen, der im Juli 1917 von den Deutschen inhaftiert worden war, ordneten sich ihm die Armee und die provisorische Verwaltung unter. Pilsudski wurde Staatschef.

Pilsudski ergreift die Macht
Im Mai 1926 beschließt Józef Pilsudski, der sich vier Jahre zuvor vom politischen Leben zurückgezogen hatte, mit Unterstützung seiner treuen Truppeneinheiten den bewaffneten Kampf zur Sanierung des Staates (polnisch: Sanacja) aufzunehmen. Nach mehrtägigen Kämpfen (Maistaatsstreich) treten Präsident Wojciechowski und die Witos-Regierung zurück. Pilsudski wird zwar vom Sejm zum Präsidenten gewählt, lehnt diese Wahl jedoch ab und schlägt den Professor Ignacy Moscicki für das Präsidentenamt vor. Von nun an regiert die Sanacja- bzw. Oberst-Regierung. Man nannte sie so, weil die Mehrheit von Pilsudskis Mannschaft aktive oder ehemalige Offiziere der Legionen waren.

Katastrophe - Ende der kurzen Souveränität
Die Geschichte der II. Republik Polen wurde durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges unterbrochen. Am 1. September 1939 wurde Polen von Deutschland überfallen, am 17. September stieß die Sowjetunion von Osten her vor. Einen Monat später haben Deutschland und Russland die nächste Teilung Polens in die Tat umgesetzt. Auf einem Teil der Gebiete wurde das sogenannte Generalgouvernement gebildet, ein anderer Teil wurde in das Deutsche Reich eingegliedert.  
Die Ostgebiete wurden durch die UdSSR besetzt. Beide Besatzer begannen, auch wenn unterschiedlich stark, mit der Vernichtung der polnischen Bevölkerung. Die deutschen Konzentrationslager und sowjetische Lager füllten sich, die polnische Intelligenz wurde in Palmiry, Wawr und an vielen Hinrichtungsorten massenhaft ermordet. 21 000 polnische Offiziere, Beamte und Intellektuelle wurden auf Befehl von Stalin hin erschossen, die meisten in Katyn und Charkow.

Die Nazis haben 3 Mio. polnische Juden und über 2 Mio. Polen ermordet. Einige hunderttausend Polen und Juden wurden durch die sowjetischen Behörden nach Osten deportiert, wo sehr viele ums Leben kamen. Das gesamte Gebiet von Polen wurde in den Jahren 1939-1945 radikalen und blutigen ethnischen Säuberungsaktionen unterzogen.
Die polnische Regierung setzte den Kampf fort. In London weilten der Präsident Wladyslaw Raczkiewicz und der Ministerpräsident und Oberbefehlshaber Wladyslaw Sikorski. Die ihnen unterstehenden Untergrundorganisationen bildeten im Land einen echten Staat im Untergrund mit eigener Verwaltung und ausgebautem illegalem Gymnasiums- und Hochschulsystem (polnische Schulen, mit Ausnahme der Grundschulen, wurden aufgehoben). Die Zahl der Soldaten in der bewaffneten Widerstandsbewegung betrug über 400 000, die Stör- und Partisanenaktionen gehörten zu den zahlreichsten im besetzten Europa.

Geschichte KL Auschwitz

Auschwitz wurde für die ganze Welt zum Symbol des Terrors, des Völkermordes und des Holocaust. Das Konzentrationslager wurde von den Nazis vor den Toren der Stadt Oswiecim errichtet, die zusammen mit anderen Gebieten Polens während des Zweiten Weltkrieges von den Deutschten besetzt war. Der Name der Stadt wurde in Auschwitz geändert, nach der auch das Konzentrationslager seinen Namen bekam. Der 14. Juni 1940, als der erste Transport polnischer politischer Gefangener Auschwitz erreichte, wird als der Tag betrachtet, andem das Lager in Betrieb genommen wurde.  
In den darauf folgenden Jahren wurde das Lager ausgebaut und bestand schließlich aus drei Teilen: Auschwitz I, Auschwitz II-Birkenau, Auschwitz III-Monowitz sowie aus über 40 Nebenlagern. Am Anfang litten und starben Polen im Lager. Später kamen ebenfalls sowjetische Kriegsgefangene, Sinti und Roma und Häftlinge aus anderen Ländern hinzu. Ab 1942 wurde Auschwitz zum Ort des größten Massenmordes in der Geschichte der Menschheit an den europäischen Juden, deren völlige Ausrottung die Nazis sich zum Ziel gesetzt hatten. Die Mehrheit der nach Auschwitz deportierten Juden - Männer, Frauen und Kinder, kamen unmittelbar nach deren Ankunft in den Gaskammern Birkenaus um.
Gegen Ende des Krieges begann die SS mit der Demontage und der Zerstörung der Gaskammmern, der Krematorien und anderer Objekte sowie mit dem Verbrennen von Dokumenten, um die Spuren ihrer Verbrechen zu verwischen.
Die marschfähigen Häftlinge wurden ins Innere des Reiches deportiert. Diejenigen, die im Lager geblieben waren, wurden am 27. Januar 1945 von Soldaten der Roten Armee befreit.
Am 2. Juli 1947 wurde durch ein Gesetz des Sejm, des polnischen Parlaments, auf den zwei erhalten gebliebenen Teilen des ehemaligen Konzentrationslagers, Auschwitz I und Auschwitz II- Birkenau, das
Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau errichtet.
Im Jahre 1979 nahm die UNESCO diesen Ort in ihre Liste mit den Objekten des Weltkulturerbes auf.

Neue Führung - die Kommunisten
Die russische Führung hat die offene Opposition mit Unterstützung der polnischen Kommunisten rasch abgeschafft. Die Soldaten der Heimatarmee (AK) und WiN (Freiheit und Unabhängigkeit) wurden in Gefängnisse und Lager gesteckt. Die Führung des Untergrundstaates hat man in Moskau verhaftet und in einem Schauprozess verurteilt. Und auch die Aktivisten von der mit Mikolajczyk verbundenen Volkspartei PSL wurden verhaftet, eingeschüchtert bzw. ermordet. Die Volksabstimmung vom 30. Juni 1946 wurde gefälscht, ebenso die Parlamentswahlen im Januar 1947.  
Mikolajczyk, der stellvertretende Ministerpräsident der Übergangsregierung, flüchtete aus Polen. In Polen regierte nun die Polnische Arbeiterpartei PPR, ab 1948 die Polnische Vereinigte Arbeiterpartei (PZPR).
In der Stalinzeit 1948-1956 übte die kommunistische Partei die alleinige Macht in Polen aus, und zwar mit tatkräftiger Unterstützung der politischen Polizei und der sowjetischen "Berater". Die Repressalien waren nicht nur gegen politische Gegner gerichtet. Auch Soldaten der Heimatarmee (AK), katholische Priester (1953: Inhaftierung von Primas Wyszynski) und unbequeme Parteibeamte der PZPR wie z. B. der Parteichef Wladyslaw Gomulka litten unter dem Regime. Polen war damals einer der loyalen Satellitenstaaten der UdSSR. Aus dem Wirtschaftsleben wurden Privatunternehmer und parteilose Fachkräfte größtenteils entfernt. Die Landwirtschaft sollte kollektiviert werden und durch die energisch verwirklichte Industrialisierung ist der Lebensstandard erheblich gesunken, was eine tiefe Unzufriedenheit unter der Bevölkerung auslöste.

Solidarnosc
Das Ende der "Erfolgspropaganda", wie die Regierungszeit von Gierek bezeichnet wird, kam 1980. Preiserhöhungen lösten in Polen eine besonders große Streikwelle aus und in Danzig (Gdansk) gründeten Werftarbeiter ein "Überbetriebliches Streikkomitee". Diesmal verzichtete die kommunistische Partei PZPR auf Gewaltmaßnahmen. Sie war sogar zu Verhandlungen mit dem Streikkomitee bereit, die am 31. August 1980 zur Unterzeichnung des "Augustabkommens" und zur Gründung der unabhängigen Gewerkschaft "Solidarnosc" führte, mit dem Danziger Werftarbeiter Lech Walesa an der Spitze. Edward Gierek wurde zum Rücktritt gezwungen. An seine Stelle trat zunächst Stanislaw Kania und ab Oktober 1981 General Wojciech Jaruzelski.
Die katholische Kirche hat wesentlich den auf Veränderung gerichteten Geist der Polen, ihren Freiheitswillen und Mut gestärkt. 1978 wurde der Krakauer Kardinal Karol Wojtyla zum Papst gewählt. Als Johannes Paul II. unternahm er 1979 seine erste Pilgerfahrt in die Heimat. Millionen von Polen, die an Treffen mit dem Papst teilnahmen, erfuhren nicht nur eine religiöse Erneuerung, sondern im verstärkten Maße ein Gefühl der Identität. Sie verspürten ein starkes Gemeinschaftsgefühl.
Die "Solidarnosc" wurde schnell zu einer landesweiten gesellschaftlichen Massenbewegung mit 10 Mio. Mitgliedern, von denen viele auch der regierenden kommunistischen Partei angehörten. Dies war einmalig im gesamten Ostblock und eigentlich unvereinbar mit dem bisherigen politischen System. Obwohl die Gewerkschaftsbewegung grundsätzlich keine revolutionären Ziele anstrebte, sondern nur die "Rationalisierung des sozialistischen Systems" forderte, genoss sie breite Unterstützung in westlichen Gewerkschaftskreisen und wurde in Osteuropa zu einer Inspirationsquelle für freiheitlich denkende Kreise.
1980 erhielt der im Exil lebende polnische Schriftsteller Czeslaw Milosz den Literatur-Nobelpreis, was auch der "Solidarnosc"-Bewegung Auftrieb gab.

Kriegsrecht
Angesichts der Wirtschaftskrise und der wachsenden Bedeutung der Gewerkschaft ?Solidarnosc? hatte sich Staats- und Parteichef General Wojciech Jaruzelski unter dem Druck der UdSSR für eine gewaltsame Lösung entschieden. Am 13. Dezember 1981 verhängte er über die Volksrepublik Polen das Kriegsrecht. Mehrere Tausend Oppositionelle kamen ins Gefängnis, die Streiks wurden mit Hilfe der Armee niedergeschlagen. Am 16. Dezember 1981 haben staatliche Sicherheitskräfte am Bergwerk ?Wujek? neun Bergleute erschossen. Viele Oppositionelle, die im Untergrund agierten, wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt, andere zur Ausreise gezwungen.
Das offiziell im Juli 1983 beendete Kriegsrecht hat Polens Probleme nicht gelöst. Die Wirtschaft steckte weiterhin in der Krise und der gesellschaftliche Widerstand gegen die Nomenklatura hielt an. Er wurde sogar noch durch die Pilgerfahrten von Papst Johannes Paul II. 1983 und 1987 und durch die Verleihung des Friedensnobelpreises an den Vorsitzenden der Gewerkschaft ?Solidarnosc?, Lech Walesa, gestärkt.
Die Struktur der "Solidarnosc" wurde beträchtlich geschwächt. Man schüchterte viele Menschen ein. Trotzdem waren sie unter der Führung Walesas weiter illegal tätig. Damals erschienen im Untergrund regelmäßig einige hundert Zeitschriften und Flugblätter. Diese Tätigkeiten fanden große Unterstützung durch die Kirche, die eine starke gesellschaftliche Stellung einnahm. Übrigens hatten sich der Umfang der Repressalien und die Aktivitäten der Opposition gemäßigt.

Polens Weg zur Demokratie ? der Runde Tisch
Im Jahre 1988 begannen die Verhandlungen zwischen der Führung der Arbeiterpartei PZPR und der demokratischen Opposition. Im Winter 1989 wurde zum Abschluss der Gespräche am Runden Tisch eine Vereinbarung unterschrieben, in der u. a. teilweise freie Sejm-Wahlen und freie Senatswahlen festgelegt wurden. Für den Sejm wurden der Opposition 35 % der Parlamentssitze zuerkannt.
Die Wahlen vom 4. Juni 1989 waren ein Sieg für die ?Solidarnosc?. Die PZPR war bei einem so entschiedenen Widerstand in der Gesellschaft nicht mehr imstande, ihre Macht weiter auszuüben. Das Parlament (?Kontraktparlament? genannt) wählte zwar General Wojciech Jaruzelski zum Präsidenten, zum Ministerpräsidenten bestimmte es aber am 24. August 1989 den Kandidaten der ?Solidarnosc? Tadeusz Mazowiecki. Er war 1980 der Chef der Beratergruppe des Danziger Streikkomitees gewesen. Am 29. Dezember 1989 änderte der Sejm die Verfassung und den Namen des Staates. Die Volksrepublik Polen war Geschichte. An ihre Stelle trat die Republik Polen, auch III. Republik genannt. Die Ereignisse in Polen haben den Zerfall des kommunistischen Ostblocks in die Wege geleitet. Es war das Ende der Jalta-Ordnung. Der Kompromiss am ?Runden Tisch? und der friedliche Wechsel vom kommunistischen zum demokratischen System waren möglich, weil es zuvor einen grundsätzlichen politischen Richtungswechsel in der UdSSR gegeben hatte, die 1986-88 die Ideen der Perestrojka (Umgestaltung) und Glasnost (Offenheit) sowie der politischen und wirtschaftlichen Öffnung gegenüber der übrigen Welt umsetzte.