Die Festung Boyen in Lötzen

Festung_BoyenDie Geschichte der Festung Boyen

Die Festung Boyen in Giżycku / Lötzen wurde von 1843-1855 erbaut und zwar als militärischer Stützpunkt an der strategisch wichtigen Landenge zwischen dem Niegocin- und Kisajno-See / Löwentin- und Kissain-See.

Anfang April 1843 befahl der preußische König Friedrich Wilhelm IV., diese Festung zu errichten. Es wurde ein Entwurf erstellt, der vorsah, in der unmittelbaren Nähe von Giżycko auf der so genannten Giżycka-Insel, über sechseckigem Grundriss ein Erdwall- und Mauerwerkfort zu erbauen.

Das Fort sollte  durch das Giżycka- und Kętrzyńska-Tor, Pulver- und Wassertor, zugänglich sein. Die gesamte Anlage sollte die Carnot-Mauer mit einer Länge von 2303 m umgeben. Die zeremonielle Einmauerung des Festungsgrundsteines fand am 4. September 1844 statt und bedeutete den Beginn der Bauarbeiten.

1846 hatte man die Idee, einen der Anhänger und Initiatoren des Festungsbaues, General von Boyen, besonders zu ehren, indem man die entstehende Festungsanlage nach ihm benannte. Die einzelnen Bastionen des Objektes erhielten dann die Namen: Hermann, Ludwig, Leopold (die Vornamen des Generals) weiter: Schwert, Recht und Licht (nach den einzelnen Elementen seines Familienwappens).

BoyenDie Baupläne sahen vor, dass die Mannschaft der Festung aus ca. 3000 Leuten besteht. Die Garnison in Giżycko wurde hingegen erst 1859 gegründet. Seit 1889 war in der Stadt die militärische Kommandantur eingerichtet und 1902 wurde in der Festung Boyen ein Artillerielager untergebracht.

Aus der Sicht der Verteidigungsstrategie wurde der Linie der Großen Masurischen Seen eine wichtige Rolle zugeteilt. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg galt unter dem Militär die Ansicht, die natürlichen Geländeeigenschaften und das gesamte Befestigungssystem mit dem Kern in der Festung Boyen sollten die in Ostpreußen vorrückende Russische Armee effektiv blockieren, bis die Kriegsereignisse an der westlichen Front günstig entschieden sein würden.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges spielte das Fort bei Giżycko ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Mobilmachung der Streitkräfte in Masuren. Nachdem die meisten deutschen Streitkräfte in dieser Region mobilisiert und dann von Giżycko verlagert wurden, waren in der Stadt noch ca. 4000 Soldaten unter dem Kommando des Obersten Busse stationiert. Diese führten zahlreiche Ausfälle auf die anrückenden russischen Truppen durch, und dann im August 1914 verteidigten sie die Festung erfolgreich gegen einen direkten russischen Angriff.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Festung anderen Zwecken zugeführt, es wurde in ihr nämlich unter anderem ein Krankenhaus eingerichtet. Am Vortag des Zweiten Weltkrieges wurde die Festung Boyen zu einem der Versammlungsorte der deutschen Wehrmachtseinheiten, die von Ostpreußen nach Polen vorrücken sollten. Die Festungsbrigade Lötzen gehörte zur Armee Nord, die in strategischer Richtung Mława und Modlin angriff und unter anderem an Kämpfen an der polnischen Ortschaft Wizna teilnahm.

Im Zweiten Weltkrieg wurde in der Befestigungsanlage ein Abwehrzentrum eingerichtet, wo die russischen Soldaten aus der auf die deutsche Seite übergetretenen Własow-Armee geschult wurden. Während des sowjetischen Angriffs auf die Stadt Giżycko im Januar 1945 wurde die Festung Boyen kampflos von ihrer Mannschaft verlassen.

Seit 1945 war die Festung Boyen Eigentum der polnischen Streitkräfte, die sie nur eingeschränkt in Anspruch nahmen. In den 1950er Jahren wurde beschlossen, hier einige Lebensmittelunternehmen unterzubringen. In der Folge kam es zu einer Umgestaltung der Anlage, großen Zerstörungen und vor allem zur Errichtung neuer, nicht zum Charakter der Festung passender Gebäude.

Diese Situation bestand bis zum Anfang der 1990er Jahre, als die meisten der untergebrachten Unternehmen aufgelöst wurden. Seitdem wurde die Festung zu einem von Touristen gern besuchten Ort.
Quelle: boyen.gizycko.pl wikipedia